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Kunstlicht

Die Welt ohne Worte verstehen: Zum Tod von Wimmelbuch-Erfinder Ali Mitgutsch

Ali Mitgutsch gestorben
APA/dpa/Rolf Vennenbernd
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Mit seinen Wimmelbüchern begann und beginnt für viele Kinder die Entschlüsselung der Bildwelt. Eltern sollten sie danach nicht allein lassen.

Vorgestern spätabends, eine Unzeit für eine Printzeitung, kam die Nachricht: Ali Mitgutsch, Erfinder der „Wimmelbücher“, in München gestorben. Gestern früh zog ich also mein altes Bilderbuch heraus, „Rundherum in meiner Stadt“, der Klassiker von 1968.
Bisher dachte ich, Ali Mitgutsch wäre eine Frau, wohl zu viel „Love Story“ mit Ali MacGraw geschaut. Bisher habe ich überhaupt nicht viel über diese Wimmelbücher nachgedacht, auch wenn ich sie wie viele andere so geliebt habe. Als Kind, als Vorlesende. Eher Vorsehende. Kann man sich in ihnen doch nicht faul an Geschichten, an Wörtern anhalten (muss bundesdeutsche Ausdrücke daher auch nicht fliegend ins Österreichische wenden). In ihnen lernen wir mit den Kindern das reine Sehen, üben sie in frühester Bildbetrachtung, sind für sie also – im besten Fall – eine Art privater John Berger („Ways of Seeing“).

Warum hören wir nur so bald auf mit dieser Praxis? Lassen die Kinder aus Bequemlichkeit, aus Scheu intellektuell blind in eine immer komplexer werdende Bilderwelt ziehen, sei es die grelle kommerzielle, sei es die verrätselt künstlerische?