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Klimabilanz

NASA: 1,5 Grad mehr noch in diesem Jahrzehnt

Temperaturverteilung auf der Erde im Vorjahr.NASA
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In der Arktis läuft die Erwärmung der Atmosphäre deutlich schneller ab – und das, obwohl das Vorjahr lediglich das sechstwärmste gewesen ist.

Am frühen Abend haben am Donnerstag die US-Raumfahrtbehörde NASA und die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) die Auswertungen des Klimageschehens im vergangenen Jahr veröffentlicht. Bei weltweiter Betrachtung ist das Vorjahr das sechstwärmste seit 1880. Die globale Durchschnittstemperatur lag 2021 um etwa 1,1 Grad Celsius über dem Mittelwert des späten 19. Jahrhunderts. Acht der global heißesten Jahre waren im vergangenen Jahrzehnt.

Als wahrscheinlich eingeschätzt wird, dass innerhalb dieses Jahrzehnts eine erste 1,5 Grad-Marke überschritten wird – unter der Annahme, dass sich die Temperaturerhöhungen der vergangenen Jahre nicht verlangsamen; 1,5 Grad wärmer als zu Beginn der Temperatur-Aufzeichnungen.

In der Klimakonferenz in Paris ist 2015 beschlossen worden, dass die Erhöhung der Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts 1,5 Grad nicht überschreiten solle. Basisjahr für dieses Ziel ist allerdings nicht 1880, sondern 1990, 110 Jahre später. Auf der Klimakonferenz in Glasgow im November des Vorjahres wurden Selbstverpflichtungen abgegeben, deren Wirksamkeit Experten so einschätzen, dass im Jahr 2100 die Durschnittstemperatur 0,7 bis 1 Grad über dem Pariser Ziel liegt.

Zurück in die Betrachtungen des Jahres 2021. Am stärksten ist die Erwärmung in der Arktis zu beobachten. Dies zeigt sich nicht nur beim Rückgang des Eises, sondern auch beim Auftauen des Permafrosts, wodurch Kohlenstoff und Methan in die Atmophäre gelangen. Gavin Schmidt, Direktor des Goddard Instituts für Space Studies der NASA: „Das ist eine dramatische Veränderung, die sich da abspielt.“ Die Folgen davon kann eine klimatologische Dynamik sein, die bis in die mittleren Breiten wirkt. Davon wäre dann auch Österreich betroffen. Auch im Alpenraum, ist die Klimaänderung stärker als im globalen Schnitt festzustellen.

Die Wissenschaftler sind überrascht, dass die Erwärmung so staerk ausgefallen ist, denn das Klima über dem pazifischen Raum war durch „La Ninha“ – eine mächtige, kalte Strömung – deutlich abgekühlt. Katastrophenwetter ist ebenfalls sehr stark aufgetreten – 2021 wurden 20 Katastrophen gezählt, der zweithöchste Wert überhaupt. Die Schäden werden insgesamt auf 145 Milliarden Dollar geschätzt.

In Deutschland „leicht kühler"

In Mitteleuropa ist die Klimabilanz, die Temperaturen betreffend, nur auf den ersten Blick milder. Denn einen gegenläufigen Trend haben österreichische und deutsche Klimatologen nicht feststellen können.

Der deutsche Wetterdienst betrachtet das vergangene Jahr klimatologisch in deutschland als „wärmer, feuchter und sonnenscheinreicher“ als dies im Durchschnitt von 1961 bis 1990 der Fall gewesen ist. Für die Profi-Meteorologen ist 2021 weniger aus der Perspektive von extrem hoher Temperaturen und ausgeprägter Trockenheit bemerkenswert, sondern vor allem wegen der Stark-Niederschlagsereignisse und die dadurch hervorgerufenen verheerenden Überschwemmungen.

2021 ist – mit einer Durchschnittstemperatur von 9,2 Grad Celsius – in Deutschland das 21wärmste Jahr seit 1881; und das elfte in Folge, das wärmer als der vieljährige Mittelwert der Zeit zwischen 1961 bis 1990 ist. Mittlerweile gibt es in der Meteorologie als Vergleichsbasis eine andere „Normalperiode“ (1991 – 2020), in der überwiegend überdurchschnittliche Temperaturen gemessen worden sind. Damit ist der Sprung zu den jetzt höheren Temperaturen geringer, was den Eindruck erwecken könnte, dass sich die Klimaänderung abbremst. Der alte Referenz-Zeitraum wird oft hinzugenommen, um die tatsächlichen Unterschiede deutlicher herauszuarbeiten.

2021 war jedenfalls im Schnitt nur leicht kühler. Dazuzusagen ist, dass der Zeitraum 2011 bis 2020 durch extrem hohe Temperaturen gekennzeichnet gewesen ist. Meteorologisch auffällig war die zweite Februarhälfte des Vorjahres, in der an sechs Tagen in Folge Temperaturen von mehr als 20 Grad gemessen worden sind. Als bemerkenswert wird noch die Hitzewelle ab Juni betont und schließlich auch der sehr milde Wechsel ins laufende Jahr.

In Österreich sehr trocken

Alexander Orlik, Meteorologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf der Hohen Warte in Wien, fasst die Bilanzierung von 2021 in zwei Aussagen zusammen: Es sei das „kühlste Jahr seit 2010 und ist dennoch unter den 25 wärmsten der 254-jährigen Messgeschichte. „2021 war nicht so extrem warm wie die letzten Jahre, wird sich in der Reihe der wärmsten Jahre der Messgeschichte aber trotzdem sehr weit vorne einreihen". Ins Auge sticht, dass die Top 25 bei den Temperaturen überwiegend in der jüngeren Vergangenheit festzustellen sind (seit 1992). Aus der Reihe tanzen bei den Messwerten lediglich 1822, 1797, 1811 und 1794.

Außerdem auffällig: Es gab im Vorjahr um sieben Prozent weniger Niederschlag, besonders stark war dies im März und April. Seit 1858 hat es in Österreich nur drei Jahre gegeben, in denen es noch trockener gewesen ist: 1893, 1946 und 2003. Meteorologisch ungewöhnlich war schließlich auch die Hagelgrößen zwischen acht und 12 Zentimetern.

>> NASA/NOAA-Einschätzung des Vorjahres aus der globalen Perspektive

>> Klimatologische Einschätzung des Vorjahres durch den Deutschen Wetterdienst

>> Klimatologische Einschätzung des Vorjahres durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)