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Österreich

Tourismusbranche wünscht "Nachbesserung" bei Coronhilfen

Die Corona-Auflagen setzen der Tourismusbranche zu.APA/HERBERT NEUBAUER
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Eine strukturelle Überförderung der Branche aufgrund der Coronahilfen negieren Branchenvertreter. Ohne Hilfen wäre die Hälfte der Betriebe im Strudeln.

Die Coronahilfen für die Tourismusbranche wurden bis auf die Förderungen für Gastgärten über das Jahresende hinaus verlängert. Geld musste dafür nicht zusätzlich locker gemacht werden, "wir gehen mit dem Rest des Budgets in die Verlängerung", sagt Matthias Matzer, Direktor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank ÖHT. Damit gebe es im Moment "genug Geld, um damit zu arbeiten", ob es am Ende reichen wird, könne er noch nicht sagen. WKÖ-Tourismus-Obmann Robert Seeber fordert schon einmal "Anpassungen".

Die ÖHT ist die nationale Anlaufstelle für Förderungen und Finanzierungen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Matzer, seit Oktober dort Ko-Direktor, lädt ein, schon einmal Anträge für Förderungen einzubringen, Ende Jänner oder Anfang Februar werde die Bearbeitung operativ sein.

Bis Ende Dezember wurden aus dem Volumen an ÖHT-Haftungen von 1,6 Mrd. Euro bereits 1 Mrd. Euro vergeben. Dazu kommen zwei Töpfe mit 300 Mio. Euro, die bei Covid-19-bedingter Absage von Veranstaltungen einspringen. Kulturveranstaltungen sind hier die Hauptnutznießer. Eine Insolvenzabsicherung im Ausmaß von weiteren 300 Mio. Euro kommt vor allem Reisebüros zugute. 10 Mio. Euro waren für den Ausbau von Gastgärten vorgesehen, dieses Geld ging großteils an die Gastronomie im ländlichem Raum. Die Verlängerung dieser Maßnahme ist noch nicht gesichert. Andere, nicht branchenspezifische Hilfen wie insbesondere die Kurzarbeit, das kostenintensivste Förderinstrument in der Corona-Pandemie, laufen nicht über die ÖHT.

Kritik: Antragstellung zu aufwendig

Seeber schätzt die bisherigen Hilfen des Staates für den Sektor sehr und bedankt sich ausdrücklich bei der Politik dafür. Denn ohne Hilfe "wäre die Hälfte der Betriebe schwerst in Mitleidenschaft gezogen beziehungsweise hätte nicht überlebt". Zugleich fordert er aber "Anpassungen" der bestehenden Hilfen. Dazu gehöre etwa eine "Durchhalteprämie" als Einmalhilfe für besonders lange geschlossene Betriebe. Sie könnte nach Schließzeit gestaffelt werden, über die Höhe wollte Seeber nicht spekulieren.

Der Umsatzersatz solle schon bei einem Umsatzrückgang von 30 Prozent fließen, nicht erst bei einem 50-prozentigen Minus, wünscht sich Seeber. Der Schutzschirm für Veranstalter solle auch dann greifen, wenn Teilnehmer ausfallen und grundsätzlich sollten Gutscheine für ausgefallene Veranstaltungen zugelassen werden.

Ein Problem der Hilfen ist auch, "dass es an der Durchführung hapert", so Seeber. Das untermauert auch eine Umfrage des market-Instituts unter 500 Betrieben Ende Dezember 2021. Zwar fanden 70 Prozent die Höhe der Hilfe angemessen, und 40 Prozent räumen ein, dass es ihr Unternehmen ohne Hilfen heute wohl nicht mehr gäbe, aber die Hälfte der Befragten empfand die Antragstellung so aufwendig wie eine Diplomarbeit, wie es Umfrageleiter David Pfarrhofer formuliert. Viele Betriebe haben noch nicht den Umsatzersatz für 2020 erhalten, vermerkt Seeber.

Von einer strukturellen Überförderung der Branche mit Coronahilfen könne nicht die Rede sein, sind sich Matzer und Seeber einig. Es gebe nur "absolute Ausnahmefälle", die ein besseres Jahr haben als vor der Krise, meist seien dies große Betriebe mit der personellen Kapazität, alle Förderungen geltend zu machen und mit einer langen Saison, so Matzer.