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Fahrbericht

Elektro-Billigstbieter: Bescheidenheit ist eine Zier

Führt im Rennen um das billigste Elektroauto: Dacia Spring, ab 19.790 Euro.
Führt im Rennen um das billigste Elektroauto: Dacia Spring, ab 19.790 Euro.(c) Christian Witt
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Mit dem Spring bietet Dacia das billigste Elektroauto des Landes – damit aber auch eine Darbietung chinesischen Autoschaffens, auf die wir eher nicht gewartet haben. Immerhin gibt es zu dem ausgesprochen anspruchslosen Stromer eine Alternative aus dem gleichen Konzern.

Wien. Die Elektromobilität wird derzeit eher von oben aufgezäumt: In großen und höherpreisigen Autos lassen sich Batterien – als teuerste Einzelkomponente des Fahrzeugs – nicht nur vom technischen Aspekt, sondern auch von der Kostenrechnung her schlicht einfacher unterbringen. Im Segment über 40.000 Euro kommen heuer über ein Dutzend neuer Modelle zusätzlich auf den Markt, auch einige von chinesischen Marken.


Am anderen Ende des Spektrums, im Bereich der 20.000 Euro, ist das Angebot dünn gesät. Bis hier etwa der VW-Konzern seine Modelle in Stellung bringt, wird es noch mindestens zwei Jahre dauern. Nach dem Auslaufen des VW e-Up und seiner Derivate ist Renault nahezu allein am Ball: Mit dem elektrischen Twingo, ab 21.840 Euro, und über die Tochtermarke Dacia, die mit dem Spring ab 19.790 Euro (jeweils abzüglich der staatlichen Förderprämie) nun das billigste E-Auto des Landes anbietet.


Dabei handelt es sich allerdings um „Badge-Engineering“, denn der Spring läuft im chinesischen Wuhan bei Renault-Allianzpartner Dongfeng vom Band. Der 3,7 Meter kurze Viertürer ist nicht als BEV konzipiert, sondern zu einem solchen umgemodelt, unter der Motorhaube ahnt man den Platz für einen Verbrenner. Aus Gründen der Kosten und der Konstruktion ist der Spring mit einer kleinen Batterie bestückt, die Kapazität von 26,8 kWh netto entspricht dem, was viele Plug-in-Hybride (zusätzlich zum Verbrennungsmotor) so mit sich führen.

Karges, aber immerhin übersichtliches Cockpit und ein Getriebewahlhebel ohne Park-Position: Spring-Interieur.
Karges, aber immerhin übersichtliches Cockpit und ein Getriebewahlhebel ohne Park-Position: Spring-Interieur.


Nicht nur für ein Elektroauto ist der Spring daher besonders leicht (ab 1045 kg), was aber auch an der spartanischen Ausstattung und dem dünnwandigen Blech liegt, das insbesondere bei den Türen und der Heckklappe ins Auge fällt und sich akustisch durch ein entsprechendes Geräusch beim Schließen bemerkbar macht.
Große Ansprüche darf man auch ans Platzangebot nicht stellen, wir sehen eher einen schmal geschnittenen Zweisitzer mit den hinteren Sitzen als Ablagefläche. Kleine Kinder könnten dort zwar sitzen, doch nach den Ergebnissen der Crashtests ist der Spring als Familienauto kaum zu empfehlen.

Wind von der Seite

Gestartet wird mit Zündschlüssel, ein armseliger Drehregler, der keine Parkstellung kennt, startet den Vortrieb des 33-kW-Motors an der Vorderachse. Das ist an Leistung ausreichend, um im Stadtverkehr mitzuschwimmen, es geht sogar recht spritzig voran. Weder die Höhe des Fahrersitzes mit seiner sehr knapp bemessenen Sitzfläche noch das Lenkrad lassen sich verstellen. Auch nicht der Grad der Rekuperation, er ist niedrig angesetzt und entfacht keine große Bremswirkung.

Crossover-Look, aber nur 3,7 Meter lang: Dacia Spring.
Crossover-Look, aber nur 3,7 Meter lang: Dacia Spring.


Während man in der Stadt gut das Auslangen und durch die Kürze recht leicht Parkplätze finden kann, können Überlandfahrten zum fahrerischen Abenteuer geraten. Auf Landstraße und Autobahn will das Lenkrad jedenfalls fest im Griff gehalten werden, um die durch Windböen arg versetzte Spur sicher korrigieren zu können.
Die Reichweite ist laut Norm mit 230 km angegeben, wir würden nach unseren Fahrten eher auf 150 km schätzen. Schnelles Laden ist dafür sozusagen serienmäßig, denn der kleine Akku ist bei 7,4 kW Ladeleistung in viereinhalb Stunden randvoll. Ein DC-Anschluss für 30 kW kostet 600 Euro extra.


Klein und billig – schön und gut, aber solang der propere, sich wie ein richtiges Auto anfühlende Twingo Electric nur unwesentlich mehr kostet, würden wir vom Billigstbieter Abstand halten. Über diese Darbietung chinesischen Autoschaffens ist Dacia an sich schon lang hinaus. (tiv)