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Omikron

Österreichs Schulen im Quarantäne-Dschungel

In Wien sind aktuell 153 von über 10.000 Klassen im Distance Learning.
In Wien sind aktuell 153 von über 10.000 Klassen im Distance Learning.Die Presse
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Die erste Schulwoche nach den Weihnachtsferien geht zu Ende und die Schulen ziehen Bilanz. In Wien und Salzburg ist die Lage deutlich angespannter, als in den übrigen Bundesländern – noch.

Für 1,1 Millionen Schüler in Österreich ist am 10. Jänner der Präsenzunterricht wieder losgegangen – entgegen der Meinung mancher Experten, die eine schnellere Ausbreitung der Omikron-Welle durch die Öffnung befürchten. Um eine vermehrte Ansteckung mit Covid-19 bei Schülern und Lehrpersonal zu verhindern, sollen strenge Sicherheitsmaßnahmen gelten und regelmäßig Testungen durchgeführt werden.

Aktuell wird in ganz Österreich eine Art „gestaffeltes“ System angewendet, um die Infektionen in Schach zu halten. Wird ein Schüler positiv auf Corona getestet, kommt die infizierte Person in Quarantäne. Der Unterricht geht vorerst für die restliche Klasse wie gehabt weiter. In den folgenden fünf Tagen muss aber täglich getestet werden. Tritt dann innerhalb von drei Tagen ein weiterer Fall auf, muss die gesamte Klasse ins Distance Learning wechseln. In den sozialen Medien häufen sich aber mittlerweile die Kommentare von Schülern, die nach eigenen Angaben trotz mehrerer Corona-Fälle in der Klasse noch immer Präsenzunterricht haben.

„Keine Übersicht“ über die Situation

Wie gut die aktuelle Strategie wirklich fruchtet, ist noch schwer zu sagen. Momentan gibt es mit Ausnahme von Wien in allen Bundesländern Probleme bei der Auswertung der PCR-Test an den Schulen. Aufgrund der technischen Probleme bei den Testungen kann man etwa in Oberösterreich keine offiziellen Angaben machen. Momentan habe man keine Übersicht über die Situation, man hoffe aber, dass die Schwierigkeiten bis zur nächsten Woche behoben werden. Die Zahlen an den Schulen steigen äquivalent zu den Fällen in der Gesamtbevölkerung. Österreichweit sind laut Angaben des Bildungsministeriums 185 Klassen im Distance Learning.

Ob diese Zahl steigt, steht und fällt mit der Einhaltung der Maßnahmen. Dass diese aber an manchen Schulen nicht ordnungsgemäß durchgeführt wird, zeigen die Aussagen von Lehrpersonen auf Nachfrage der „Presse“. Eine Lehrerin an einem Gymnasium im 10. Wiener Gemeindebezirk, die anonym bleiben möchte, gibt an, dass es zumindest an ihrer Schule mit der Einhaltung der Regeln „nicht so genau genommen wird“. Schuld daran sei aber keine mutwillige Missachtung der Maßnahmen, sondern oftmals schlichtweg die Überforderung.

Lehrpersonen müssen derzeit einem massiven seelischen und zeitlichen Druck standhalten. Manchmal sei es dann eben nicht möglich, jeden Tag zu testen oder ganze Klassen rechtzeitig in Quarantäne zu schicken, so die Lehrerin. Aktuell sind 153 von über 10.000 Klassen an 122 Schulen in Wien geschlossen, heißt es in einer Aussendung des Bildungsstadtrats Christoph Wiederkehr. An der Modularen Mittelstufe Aspern in Wien ist momentan etwa eine von 18 Klassen in Quarantäne, sagt die Direktorin Doris Pfingstern gegenüber der „Presse". Einige Schüler seien aus den Weihnachtsferien gar nicht erst in die Schule zurückgekehrt.

Ähnlich hoch sind die Zahlen in Salzburgs Schulen. Aufgrund der Schwierigkeiten bei den PCR-Tests wurde hier nachgetestet. Dabei gab es am Donnerstag 204 positive Testergebnisse. Freitagmittag lag die Zahl mit 199 infizierten Personen ähnlich hoch, sie könne aber noch ansteigen, hieß es aus der Bildungsdirektion. Mehrere positive Fälle gab es in 38 Schulklassen. Man verweist jedoch auf die “sehr dynamische” Situation. In Salzburg rechnet man mit einem Anstieg in den kommenden Tagen und Wochen, noch sei es aber zu früh, um Vergleiche mit der vorherigen Pandemiewelle zu ziehen.

Übrige Bundesländer sind noch entspannt

In den übrigen Bundesländern werden aber sehr wohl Vergleiche zur vorherigen, vierten Welle gezogen. In Kärnten mussten seit Ende der Ferien etwa nur sehr wenige Klassen ins Distance Learning wechseln, heißt es aus der Bildungsdirektion. Genau gesagt sind sieben Klassen betroffen - von mehr als 3500 im ganzen Bundesland. Der bisherige Höchststand lag bei 164 Schulklassen vor Weihnachten. Dennoch gab es damals in nur 20 bis 25 Prozent der Klassen überhaupt einen positiven Fall. Auch im Burgenland sind derzeit nur vereinzelt Klassen betroffen. Der Bildungsdirektion zufolge werden 6 Schulklassen aus 5 Schulen im Distance Learning unterrichtet.

Im Gymnasium Neusiedl im Burgenland wurden von über 1000 Schülern aktuell 9 positiv getestet. 2 Personen aus dem Lehrkörper sind ebenfalls in Quarantäne. Schuldirektor Walter Roth freut sich, dass der Schulalltag momentan noch vergleichsweise normal ablaufen kann. Er ist sich sicher, dass die meisten Ansteckungen noch in den Weihnachtsfeiertagen passiert sind und in die Schule „verschleppt“ wurden. So wurden nur 5 der Fälle überhaupt in der Schule entdeckt, die anderen Infizierten sind gar nicht erst aus den Ferien zurückgekehrt.

An der Mittelschule Ternberg im Bezirk Steyr-Land in Oberösterreich sind aktuell noch keine Schüler positiv, sagt Direktor René Gumpinger. Zum Vergleich: im November waren noch 30 der 104 Schüler in Quarantäne. Im gesamten letzten Jahr wurden an der NMS Ternberg bisher 20 Schüler und eine Lehrerin positiv getestet.

Auch Niederösterreich „hat die große Omikron-Welle noch nicht erreicht“, heißt es etwa aus dem Don Bosco-Gymnasium Unterwaltersdorf im Bezirk Baden. Hier ist die Lage zumindest derzeit noch überschaubar, ähnlich viele Schüler und Lehrer wie vor den Weihnachtsferien sind derzeit in Quarantäne. Man hoffe, dass es so bleibt, heißt es.

(red.)