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Glosse

Weg mit Wagner, und mit Luther gleich dazu?

Mit dem Platz müsste auch die U-Bahn-Station in Berlin umbenannt werden.(c) imago/STPP (imago stock&people)
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Der Berliner Senat hat eine Liste aller Antisemiten erstellen lassen, nach denen Straßen benannt sind.

In Berlins Stadtverwaltung haben sie es sich wohl so gedacht: Ist ja fein, dass wir die Mohrenstraße umbenennen. Aber das zieht sich, die Schlaumeier in den Feuilletons debattieren es rauf und runter. So dauert es Jahre, um die ganze Hauptstadt von rassistischen Ärgernissen zu befreien. Deshalb sollten wir jetzt beim Antisemitismus effizienter vorgehen, schnell und mit deutscher Gründlichkeit. Also lassen wir einen promovierten Politologen eine Liste aller Streichkandidaten erstellen. Listen schaffen Fakten, vor allem, wenn sie lang sind: 290 Personen, nach denen Straßen und Plätze benannt sind, haben sich zumindest einmal antisemitisch, antizionistisch oder antijudaistisch geäußert.

Goethe, Kant, Herder, Fontane, Fichte, Pestalozzi – da erdrückt die schiere Fülle. Dabei wirft sie der Gutachter gar nicht alle in einen Topf, sondern etwas differenzierter in drei. In den ersten kommen verdächtige Subjekte wie Schopenhauer, von dem sich bisher nur sagen lässt: „Er soll Gegner der jüdischen Emanzipation gewesen sein.“ Auf diese Gruppe will man Diplomanden ansetzen, wohl in der Erwartung, dass sie bei eifriger Suche inkriminierende Stellen finden.