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Ronja von Rönnes Spott ist fein, das Buch ein menschenfreundliches.
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Buch der Woche

Ronja von Rönne: Warum Juli sich nicht umbringt

In Ronja von Rönnes zweitem Roman, „Ende in Sicht“, begibt sich ein ungleiches Gespann auf einen Roadtrip. Was die alternde Rock-Diva und die 15-Jährige eint: Sie sind beide lebensmüde.

Es gibt Romane, die erzählen von Wünschen. Davon, dass die Realität eine Abbiegung nimmt, und dann ist mit einem Mal alles anders. Besser. Erträglicher. Bedeutender. In Christian Krachts „Eurotrash“ bringt ein Sohn seine Mutter ins Altersheim – aber was erleben sie nicht alles auf ihrem Weg dorthin! Sie lassen sich mit dem Taxi durch die schöne Schweizer Landschaft kutschieren, verschenken auf einer Bergspitze Abertausende Franken, die dann der Wind verweht, und mieten sich bei einer Sekte ein. Ein wunderbarer Roadtrip mit Mama und Sohn, so könnte es sein, so soll es sein.

Auch die Bücher von Thomas Glavinic funktionieren so, „Der Jonas-Komplex“ etwa ist eine je nachdem anrührende oder mitreißende Fantasie von (männlicher) Unverwundbarkeit und Größe. Und Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ erzählt in Wirklichkeit nicht von einem muslimisch unterwanderten Frankreich, sondern von der Hoffnung eines alternden Mannes, im Kampf der Geschlechter immer noch siegen zu können. Sei es um den Preis der radikalen Unterdrückung der Frauen.

Man muss diese Hoffnungen und Wünsche nicht teilen, um sie fesselnd und erhellend zu finden. Wünsche verraten so viel.