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Auftaktniederlage

Handball-EM: Der harte Boden der Realität

HANDBALL-EURO-AUT-POL
Österreichs Handballer mussten sich Polen beugen.APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK
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Für Österreichs Männer begann die Endrunde mit einer Enttäuschung, gegen coronageplagte Polen verlor das Nationalteam deutlich. Dass die mannschaftsinterne Blase bislang hielt, ist ein schwacher Trost.

Österreichs Handball-Nationalteam der Männer ist mit einer Niederlage in die Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei gestartet. Das ÖHB-Team unterlag in Bratislava Polen mit 31:36 (14:17) und steht damit vor dem zweiten Gruppenspiel am Sonntag (18 Uhr, live ORF 1) gegen Deutschland, das Belarus mit 33:29 bezwingen konnte, unter Zugzwang. Nur die Top 2 steigen in die Hauptrunde auf.

Die österreichische Vorbereitung auf dieses Großereignis war eine ungewöhnliche. Die zwei avisierten Testspiele gegen Gastgeber Slowakei wurden aufgrund von Coronafällen beim Gegner vorsichtshalber abgesagt. Infektionen in der Blase (Trainingslager in Stockerau) konnten vermieden werden. Polen hingegen hatte Freitagabend gleich sieben Corona-Ausfälle zu beklagen. Auch deshalb regierte vor dem Aufeinandertreffen die Zuversicht.

Doch es war ein trügerischer Vorteil. Auf dem Feld sollten sich die Kräfteverhältnisse klar zugunsten Polens darstellen. Und vielleicht waren es ausgerechnet die fehlenden Testspiele, die der in Bestbesetzung antretenden heimischen Auswahl ein Stück weit zum Verhängnis werden sollten. Denn das Spiel der Österreicher wirkte über weite Strecke eingerostet, die Akteure unzureichend aufeinander abgestimmt. Selbst das beste Training ersetzt keine Spiele.

Zu viele Schwachstellen

Das dezimierte Polen machte den Mannen von Teamchef Aleš Pajovič das Leben mit aggressivem Abwehrverhalten und durchschlagskräftigem Angriff schwer. Vor allem Rückraum-Lenker Szymon Sićko (sechs Tore) und Rechtsaußen Arkadiusz Moryto (neun Tore) stellte die ÖHB-Deckung vor enorme Probleme.

Das ist die eine Sichtweise. Die andere bezieht sich auf Österreichs fehlende Lösungen während der 60 Minuten von Bratislava. Kapitän Nikola Bilyk, vor seinem Kreuzbandriss im Sommer 2020 ein Spieler von Weltklasseformat, war die fehlende Spielpraxis bei seinem Klub THW Kiel doch anzumerken. Ihm allein die Auftakt-Enttäuschung anzulasten, wäre aber freilich viel zu billig.

Die Mannschaft funktionierte mit der Ausnahme von Kreisläufer Fabian Posch (sieben Tore) nicht wie erhofft, Abstimmungsprobleme und Fehlwürfe sowie klaffende Lücken in der Deckung bereiteten Sorgen. Auch Torhüter Golub Doknić (15,8 % parierte Würfe) hatte keinen erfolgreichen Arbeitstag. Was bleibt, ist der Auftrag einer klaren Leistungssteigerung gegen Deutschland am Sonntag. Und die Hoffnung, dass Österreich mit dem ersten Spiel den Rost abgeschüttelt hat.

("Die Presse", Printausgabe 15.1.2022)