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Visum-Posse

Novak Djokovic muss Australien endgültig verlassen

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Die Entscheidung der drei Bundesrichter in Melbourne war einstimmig, der Serbe erhält das Visum nicht zurück und darf nicht im Land bleiben. Der Titelverteidiger, 34, verpasst die Australian Open.

Melbourne. Novak Djokovic darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss ausreisen. Wie das Bundesgericht in Australien am Sonntag entschied, wurde der Einspruch des serbischen Tennisstars gegen seine verweigerte Einreise und die Annullierung des Visums abgelehnt. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, hieß es in der Bekanntgabe der drei Richter. Die Begründung solle frühestens am Montag erfolgen.

Gegen das Urteil können beide Seiten vor dem Bundesgericht keine Rechtsmittel einlegen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AAP zufolge ist eine Berufung vor dem High Court, dem höchsten Gericht Australiens, möglich. Die Erfolgschancen seien aber gering. Djokovic zieht offenbar keine weiteren juristischen Schritte in Erwägung. Er respektiere die Entscheidung des Gerichts und werde mit den entsprechenden Autoritäten kooperieren, was seine Abreise aus Australien betreffe, teilte der Weltranglisten-Erste in einer Stellungnahme mit, aus der am Sonntag mehrere Medien zitierten.

"Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung", erklärte Djokovic. Ziel des 34-Jährigen war es, in Melbourne mit dem 21. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier Roger Federer und Rafael Nadal zu übertreffen und alleiniger Rekordhalter zu werden. Nun darf er nicht zu einer Titelverteidigung beim ersten Major des Jahres, das er bereits neunmal gewonnen hat, antreten.

Serbiens Präsident poltert

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic scharf kritisiert worden. Seit der Ankunft in Australien habe er "nichts als Willkür und Schikanen" erfahren. Man habe den Tennisstar "wie einen Massenmörder" behandelt". Die Schikanen hätten "beispiellose Ausmaße" angenommen. Eine "Hexenjagd" sei entfacht worden, die Medien hätten eine "Lynchstimmung" erzeugt.

Ähnliche Töne schlug Serbiens Ministerpräsidentin Ana Brnabic an: "Ich denke, dass die Gerichtsentscheidung skandalös ist. Ich bin enttäuscht. Ich denke, es zeigt, wie die Rechtsstaatlichkeit in einigen anderen Ländern funktioniert, oder besser nicht funktioniert." Brnabic ereiferte sich auch darüber, dass der Anwalt der Regierung im Verfahren vor dem Bundesgericht darlegte, dass in Serbien weniger als 50 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft seien.

Dies sei eine "offene Lüge", meinte sie und verwies auf 58 Prozent Impfquote. Die Zahlen, die Brnabic angab, bezogen sich aber wahrscheinlich auf den Anteil der Geimpften unter der erwachsenen Bevölkerung. Unter der Gesamtbevölkerung hatte er nach Angaben von "Our World in Data" zuletzt 47 Prozent betragen. Die Impfquote in Australien (mindestens einmal geimpft) liegt bei 81 Prozent.

„Ich hoffe, dass wir uns nun alle auf das Spiel konzentrieren können“ 

"Ich fühle mich unwohl, dass ich der Fokus der vergangenen Wochen gewesen bin, und ich hoffe, dass wir uns nun alle auf das Spiel und das Turnier, das ich liebe, konzentrieren können", sagte Djokovic. Er werde sich nun ein bisschen Zeit nehmen, sich zu erholen, bevor er darüber hinaus weitere Kommentare abgebe.

Die Sitzung des Bundesgerichts hatte gegen 9.30 Uhr (Ortszeit) begonnen. Um kurz vor 18.00 Uhr Ortszeit wurde die Entscheidung bekannt. Wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete, hatte Djokovic die Sitzung aus dem Büro seiner Anwälte in Melbourne verfolgt. Die Nacht vor der Verhandlung beim Bundesgericht hatte der Rekordsieger der Australian Open in einem Abschiebehotel verbracht.

Der abschließenden Verhandlung war eine tagelange Hängepartie vorausgegangen. Am Freitag war sein Visum in einer persönlichen Entscheidung von Einwanderungsminister Alex Hawke ein zweites Mal für ungültig erklärt worden. Der Weltranglisten-Erste ist nicht gegen das Coronavirus geimpft und deswegen eine umstrittene Person in dem Land, das seit Beginn der Pandemie harte Regeln aufgestellt hat.

Als ihm die Behörden in der vorigen Woche die Einreise verweigert hatten, war er vorübergehend in ein Abschiebehotel gebracht worden. Eine erste Gerichtsentscheidung am Montag war zu seinen Gunsten ausgefallen, Djokovic hatte daraufhin die Vorbereitung auf die Australian Open fortgesetzt.

Chronologie des Verweigerns

10. Dezember: Die Frist für den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open endet - für Spieler, die nicht gegen das Coronavirus geimpft wurden. Nur vollständig Geimpfte dürfen an den Start gehen.

14. Dezember: Der nicht geimpfte Djokovic besucht ein Basketball-Match in Belgrad und unterzieht sich am

16. Dezember einem Antigentest (negativ) und einem PCR-Test. Er nimmt an einer Veranstaltung der serbischen Post in seinem Heimatland teil. Am Abend erfährt er von seiner Infektion. Das positive PCR-Ergebnis steht in Unterlagen, die seine Anwälte später den australischen Behörden vorlegen. Nach den Regeln in Serbien müssen Covid-Positive, die keine schweren Symptome haben, für 14 Tage in häusliche Isolation.

17. Dezember: Djokovic, der eigentlich in Monaco lebt, ist ohne Maske und Abstand Gast auf einer Preisverleihung für junge Tennisspieler in Serbiens Hauptstadt Belgrad. Djokovic behauptet später, er hätte zu diesem Zeitpunkt noch nichts von einem positiven PCR-Test gewusst.

18. Dezember: Der Weltranglisten-Erste gibt ein länger ausgemachtes Interview mit Foto-Shooting für die französische Sportzeitung "L'Équipe". Djokovic gesteht später ein, dass dies im Wissen eines positiven Tests ein Fehler gewesen sei.

22. Dezember: Djokovic hat einen weiteren Test gemacht. Ergebnis laut eigenen Angaben: negativ.

30. Dezember: Djokovic erhält seinen Anwälten zufolge vom Medizin-Chef des australischen Tennisverbandes eine Ausnahmegenehmigung für die Australian Open.

Jahreswechsel 2021/2022: Aufnahmen in sozialen Medien zeigen Djokovic in einem Tennisclub im spanischen Marbella. Er soll am 30. Dezember sowie am 2. und 3. Jänner zum Training dort verweilt haben. Spaniens Behörden ermitteln, da Djokovic nur mit Sondergenehmigung hätte einreisen dürfen.

5. Jänner: Djokovic reist nach Australien. Weil er aus Sicht der Behörden nicht die nötigen Dokumente für eine Ausnahmegenehmigung vorlegt, wird ihm die Einreise verweigert. Er kommt in ein Abschiebehotel.

6. Jänner: Auf einer bemerkenswerten Pressekonferenz in Belgrad vergleicht Djokovics Vater seinen Sohn mit Jesus Christus: "Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns", so Srdjan Djokovic. "Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun."

10. Jänner: Ein Gericht in Melbourne gibt Djokovics Einspruch statt und lässt ihn einreisen. Er darf sich nach vier Nächten im Abschiebehotel frei bewegen. Wenige Stunden später steht er auf dem Trainingsplatz.

11. Jänner: Es wird bekannt, dass Djokovic in seinem Einreiseformular angegeben hat, er sei in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht in ein anderes Land gereist.

14. Jänner: Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke beruft sich auf den Migration Act und nützt sein Recht, das Visum neuerlich zu annullieren. Die Anwälte von Djokovic erklären in einer Anhörung, dass sie die Entscheidung beeinspruchen und die drohende Abschiebung verhindern wollen.

15. Jänner: Djokovic wird erneut in Gewahrsam genommen, da er ohne Corona-Impfung eingereist ist. Für den Tag darauf wird angekündigt, dass eine Anhörung vor dem Bundesgericht endgültige Klarheit über die Teilnahme des Serben am Major-Turnier bringen soll.

16. Jänner: Das Bundesgericht entscheidet, dass der Einspruch der Anwälte von Djokovic abgelehnt wird, er nicht an den Australian Open teilnehmen darf und ausreisen muss. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, hieß es in der Bekanntgabe der drei Richter. Die Begründung soll frühestens am Montag (17. Jänner) erfolgen. In einer ersten Reaktion zeigt sich Djokovic "extrem enttäuscht". Er respektiere das Urteil aber und werde punkto Ausreise mit den entsprechenden Autoritäten kooperieren.

Caruso ersetzt Djokovic im Australian-Open-Raster

Nach der endgültig verweigerten Einreise nach Australien wird der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic bei den Australian Open durch den Italiener Salvatore Caruso ersetzt. Die Nummer 150 der Tennis-Welt rückt als sogenannter "Lucky Loser" nach und spielt in der ersten Runde gegen den Serben Miomir Kecmanovic. Das geht aus dem aktualisierten Spielplan für Montag hervor, den die Veranstalter in Melbourne am Sonntag kurz nach der Entscheidung des Gerichts veröffentlichten.

Durch das Herausfallen von Djokovic ist der Italiener Matteo Berrettini als Nummer sieben der höchstgereihte Akteur im obersten Raster-Viertel und damit zumindest auf dem Papier plötzlich Favorit auf den Einzug ins Halbfinale. In der oberen Hälfte des Tableaus könnten auch der deutsche Olympiasieger Alexander Zverev oder Rafael Nadal von der Djokovic-Absenz profitieren. Der Spanier Nadal hat die Chance, mit dem Titelgewinn mit dann 21 Grand-Slam-Turniersiegen die alleinige Nummer eins in diesem Ranking zu werden.