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Morgenglosse

Geimpfte müssen jetzt für Ungeimpfte eintreten

Wir haben Etiketten im Hirn. Und beim Wort "ungeimpft" leuchtet daneben ein Lämpchen auf: verdächtig. Nicht solidaritätswürdig.(c) APA/Sebastian Kahnert (Sebastian Kahnert)
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Warum war es so einfach, den Lockdown für sämtliche Ungeimpfte so lange zu halten? Weil die solide Mitte begonnen hat, es mit den Rechten von Menschen, die das falsche Label tragen, nicht mehr so genau zu nehmen.

35 Tage dauert der Lockdown für Ungeimpfte nun schon, das sind über eine Million Menschen in Österreich. Trotz deutlich milderer Krankheitsverläufe durch Omikron, trotz deutlich reduzierter Wirksamkeit der Impfung. Jüngsten Prognosen zufolge dürften die Spitäler durch Omikron nicht überlastet werden. Dennoch wurde der Lockdown für Ungeimpfte am 15. Jänner erneut verlängert. Demnächst soll die Impfpflicht kommen.

Viele dieser weitgehend vom öffentlichen Leben Ausgeschlossenen sind jung und ohne gesundheitliche Risikofaktoren, sie waren bereits bisher statistisch für die Zahl schwerer Verläufe kaum relevant. Auch das Argument der kollektiven Viruseindämmung ist hinfällig, der Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften in der Weiterverbreitung ist zu gering.

Beim Wort „ungeimpft“ leuchtet ein Lämpchen auf

Warum war es dennoch so einfach, den Lockdown für sämtliche Ungeimpfte trotz veränderter Umstände bis heute aufrechtzuerhalten? Eine Antwort ist: Weil sich die große Masse der Geimpften nicht um sie kümmert. Weil beim Wort “ungeimpft” ein Lämpchen in ihrem Hirn aufleuchtet, das signalisiert: verdächtig. Nicht solidaritätswürdig.

Gefährlich für eine Gesellschaft sind nicht nur irre Verschwörungstheorien. Gefährlich ist auch, wenn die solide Mitte beginnt, es mit den Rechten von Menschengruppen, die das falsche Label tragen, nicht mehr so genau zu nehmen. Geimpfte müssen in der maßgeblichen Öffentlichkeit jetzt für Ungeimpfte sprechen. Umso mehr, als diese es nicht mehr für sich selbst tun können, seit man sie als Ganzes verdächtig gemacht hat.