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Pazifik

Vulkan in sich zusammengebrochen, Ascheschicht überzieht Tonga

Ein Vergleich chinesischer Satellitenbilder vor und nach dem Ausbruch des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai bei Tonga.
Ein Vergleich chinesischer Satellitenbilder vor und nach dem Ausbruch des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai bei Tonga.imago images/Xinhua
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Der Kontakt zum Pazifikstaat ist stark eingeschränkt. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben. Der bisher coronafreie Inselstaat sorgt sich auch um eine Einschleppung des Virus.

Tongas Regierung hat in einer ersten offiziellen Mitteilung seit der gewaltigen Eruption des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai im Pazifik mindestens drei Tote bestätigt. Es handle sich um zwei Einheimische und einen britischen Staatsbürger, teilte das Büro von Premierminister Siaosi Sovaleni am Dienstag mit. Der Vulkan Hunga Tonga-Hunga Ha'apai ist durch die Eruption offenbar in sich zusammengefallen, auf neuesten Satellitenbildern ist er kaum noch zu sehen.

Infolge der "beispiellosen Katastrophe" seien auch Verletzte gemeldet worden, hieß es weiter. Demnach entstand durch die Eruption eine Aschewolke, die alle Inseln Tongas bedeckte. Außerdem habe der Ausbruch bis zu 15 Meter hohe Tsunamiwellen verursacht.

Tongas Marine habe lebenswichtige Vorräte auf einige Inseln gebracht. Auf der tiefliegenden Insel Mango, von der ein Notsignal empfangen wurde, seien alle Häuser zerstört. Auf Fonoifua seien zwei Häuser übrig geblieben. Die Inselbewohner würden von der Marine in Sicherheit gebracht. Die Asche und Schäden an den Anlegestellen erschwerten den See- und Lufttransport.

Grau in grau - so ist der Anblick der Inseln von Tonga aus der Luft.
Grau in grau - so ist der Anblick der Inseln von Tonga aus der Luft.APA/AFP/© 2022 Planet Labs PBC.

Unterseekabel beschädigt

Wegen eines bei dem Vulkanausbruch beschädigten Unterseekabels ist Tonga weiterhin von der Kommunikation mit der Außenwelt abgeschnitten. Der Verbindungsoffizier der Weltgesundheitsorganisation in Tonga, Yutaro Setoya, hält über sein Satellitentelefon die Kommunikation zwischen den UN-Organisationen und der Regierung des Landes aufrecht, wie die WHO am Dienstag berichtete: Setoya stehe seit Tagen "buchstäblich von Sonnenaufgang bis weit in die Nacht im Freien um sicherzustellen, dass das Telefon das Satellitensignal erreicht", sagte WHO-Pazifikkoordinator Sean Casey.

Laut WHO wurden durch den Vulkanausbruch rund hundert Häuser in Tonga beschädigt, die Hälfte davon auf der Hauptinsel Tongatapu. Die Insel sei zentimeterdick mit Asche und Staub bedeckt. Dies wecke Sorgen wegen Luftverschmutzung sowie der Verschmutzung von Trinkwasser und Nahrung. Die Regierung rief die Bevölkerung laut WHO auf, möglichst zu Hause zu bleiben und im Freien Schutzmaske zu tragen.

Hilfsflüge können nicht landen

Hilfsflüge können vorerst nicht in Tonga landen, weil die Landebahn des Flughafens mit einer Ascheschicht bedeckt ist. Australien und Neuseeland halten drei Marineschiffe in Bereitschaft, um bei Bedarf Hilfslieferungen in das drei bis fünf Tage per Schiff entfernte Inselreich zu bringen. Das Rote Kreuz kündigte die Bereitstellung von mehr als 2500 Kanistern mit Trinkwasser an. Frankreich, das Überseegebiete im Südpazifik hat, sagte ebenfalls Hilfe zu.

"Das Rote Kreuz auf Tonga war gut vorbereitet", sagte Rotkreuz-Generalsekretär Michael Opriesnig am Dienstag. "Erst im September fand eine große Katastrophen-Übung mit dem Australischen Roten Kreuz statt. Die Hilfe ist bereits nach der Tsunami-Warnung am Samstag angelaufen. Das Rote Kreuz Tonga hat Hilfsgüter für 1200 Haushalte auf Lager."

Neuseeland will inzwischen nach den Worten von Ministerpräsidentin Jacinda Ardern eine zweite Maschine des Typs Hercules mit wichtigen Hilfsgütern nach Tonga schicken. Sollte die Landebahn in Tongas Hauptstadt Nuku'alofa beschädigt sein, könnten die Materialien auch abgeworfen werden, sagte Ardern am Montag vor Journalisten. "Die heute durchgeführten Flüge werden uns dabei helfen festzustellen, wo Bedarf besteht", betonte Ardern. "Wir wissen, dass dringend Wasser benötigt wird, und wir hoffen, dass die Hercules heute starten kann, um diesen Bedarf zu decken."

Sorge vor dem Coronavirus

Die Regierung von Tonga hat auch Angst, dass durch die Hilfslieferungen das Coronavirus eingeschleppt werden könnte. Bislang ist der kleine Pazifikstaat coronafrei. Jede Lieferung, die nach Tonga geschickt werde, soll unter Quarantäne gestellt werden. Geplant ist Botschafter Tu'ihalangingie zufolge auch, dass kein ausländisches Personal die Flugzeuge verlässt.

Das Unternehmen Maxar Technologies veröffentlichte unterdessen Satellitenaufnahmen des Vulkans. Der Teil des Hunga Tonga-Hunga Ha'apai, der bis zur Eruption am Sonntag über dem Meeresspiegel lag, ist fast vollständig verschwunden, nur zwei kleine Vulkaninselchen sind noch zu sehen.

Der Vulkanausbruch am Samstag war einer der schwersten seit Jahrzehnten und noch im weit entfernten Alaska messbar. In weitem Umkreis im Pazifik gingen Asche und saurer Regen nieder. Die Eruption führte zu Tsunamiwellen, die noch an weit entfernten Küsten von Japan bis in die USA messbar waren. Im mehr als 10.000 Kilometer entfernten Peru ertranken zwei Frauen durch ungewöhnlich hohe Wellen.

Erste Daten zeigten, dass es seit dem Pinatubo auf den Philippinen 1991 keine derartig heftige Eruption gegeben habe, sagte der Vulkanologe Shane Cronin von der University of Auckland Radio New Zealand. Hätte sich die Eruption an Land ereignet, dann wären die Auswirkungen "apokalyptisch" gewesen, so Cronin. Unklar sei, ob der jüngste Ausbruch den Höhepunkt der Aktivität darstelle. Es könne auch sein, dass der Vulkan noch mehrere Wochen oder sogar Jahre unruhig bleibe.

(APA/DPA)