Burma: Nach der Wahl kam der Krieg zurück

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Über 10.000 Karen auf der Flucht nach Thailand. Junta sichert sich Parlamentsmehrheit. Nach den ersten Parlamentswahlen seit 20 Jahren kam es zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der Karen National Union.

Wien/Rangun/AG/SOM. Ein Gewitter aus Granaten und Raketen ging auf die Straßen von Myawaddy nieder, der Himmel über der Stadt an der burmesisch-thailändischen Grenze war grau von den Rauchschwaden.

Einen Tag nach den ersten Parlamentswahlen seit 20 Jahren kam es in Burma zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der „Karen National Union“, bewaffneten Rebellen der christlichen Karen-Minderheit. Bei den Auseinandersetzungen seien drei Zivilisten getötet und mindestens elf weitere verletzt worden, sagte ein burmesischer Regierungsvertreter. Unabhängige Informationen zur Lage gibt es nicht.

Laut thailändischen Behörden sind 12.000 Menschen – vor allem Frauen und Kinder der Karen-Minderheit – in das ungleich wohlhabendere Nachbarland geflüchtet. Mit Hilfe von Booten überquerten sie den Grenzfluss Moei.

Ein jahrzehntelang schwelender Konflikt ist nach dem Urnengang wieder aufgebrochen: Die „Karen National Union“ kämpft seit der Unabhängigkeit des Landes von den Briten 1948 gegen die burmesische Zentralregierung.

 

Ex-Militärs gewinnen Parlamentssitze

Einst forderten die Rebellen Unabhängigkeit, heute setzen sie auf Autonomie. Die Antwort des Militärregimes: Zehntausende Karen wurden – ebenso wie andere, nicht-burmesische Minderheiten – von der Junta in den vergangenen Jahren zwangsumgesiedelt oder vertrieben.

In der neuen Hauptstadt Naypyidaw wurde indes das Ergebnis der Wahl, zu der keine ausländischen Beobachter zugelassen waren, bekannt gegeben. Erwartungsgemäß haben wichtige Vertreter der Militärjunta Abgeordnetenmandate gewonnen. Das Wahlverfahren war so festgelegt, dass nur regimenahe Kandidaten echte Chancen hatten. Die Ex-Generäle Shwe Mann und Tin Aung Myint Oo, enge Vertraute von Junta-Chef Than Shwe, gewannen Sitze.

Die unter Hausarrest stehende Symbolfigur der Demokratiebewegung, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, hatte zuvor zum Wahlboykott aufgerufen. „Die Wahl hat keine der Ursachen des Bürgerkriegs gelöst“, bekräftigte auch David Mathieson von der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“. Im Gegenteil: Sie könnte vielmehr der Auftakt zu einer neuen Unruhewelle sein.

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