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Russland

Lawrow-Lapsus: Ein kleiner Versprecher mit großer Symbolik

Russlands Außenminister Sergej Lawrow im Gespräch mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock in Moskau.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow im Gespräch mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock in Moskau.imago images/photothek
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Der russische Außenminister begrüßte die neue deutsche Kollegin Annalena Baerbock in Moskau mit einem Wunsch nach besseren "russisch-amerikanischen Beziehungen“.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat sich zu Beginn seiner ersten Begegnung mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock über den Zustand der "russisch-amerikanischen Beziehungen" beklagt. Lawrows weitere Rede, die am Dienstag live im Internet übertragen wurde, legt nahe, dass es sich dabei um einen Versprecher gehandelt haben dürfte. Baerbock selbst dürfte davon zunächst nichts mitbekommen haben - die Dolmetscherin unterließ eine korrekte Übersetzung der Passage.

"Wir würden gerne einen konstruktiveren Zustand der russisch-amerikanischen Beziehungen sehen und haben vor, gemeinsam mit allen Mitgliedern der neuen Regierung angehäufte Probleme zu überwinden", sagte Lawrow in einer traditionellen Begrüßungsrede am Verhandlungstisch mit Baerbock und ihrer Delegation. Man sei unverändert weiter an guten Beziehungen mit Deutschland interessiert, führte er fort, ohne jedoch "russisch-amerikanisch" zu korrigieren.

"Wir möchten uns auf einen konstruktiven Dialog mit der neuen deutschen Bundesregierung freuen", übersetzte die Konsekutivdolmetscherin des russischen Außenministeriums weniger Momente später ins Deutsche.

Obwohl gerade auch die Variante der Dolmetscherin nahelegte, dass es sich bei Lawrow Verweis auf die "russisch-amerikanischen Beziehungen" um einen Lapsus handelte, erinnerte seine Aussage freilich an eine grundsätzliche Tendenz der russischen Außenpolitik. In zentralen Diskussionen mit dem Westen, zuletzt etwa in Bezug auf eine europäische Sicherheitsarchitektur, erachtet Russland die USAals einzig wirklich relevanten Ansprechpartner: "Wenn die USA diesen Prozess anführt, beschäftigt uns im Großen und Ganzen nicht allzu sehr, wer konkret (über Sicherheitsfragen, Anm.) verhandelt", hatte Lawrow etwa vergangene Woche bei einer Pressekonferenz erklärt.

Baerbock wirbt für Friedensgespräche

In der Sache selbst gab es wenig Neues zu hören. Baerbock hat sich bei Lawrow für eine rasche Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen im Ukraine-Konflikt ausgesprochen. Dies sei wichtig für die Sicherheit in Europa, sagte Baerbock. Dazu solle ein nächstes Treffen im Normandie-Format zusammenkommen - also auf Vermittlung Deutschlands und Frankreichs mit der Ukraine und Russland.

Es sei wichtig, den Normandie-Prozess wieder mit Leben zu füllen, sagte Baerbock - wie auch am Vortag bei ihrem Besuch in der Ukraine. Es sei gut, dass sich alle zum Minsker Friedensplan bekannt hätten. Der in der Hauptstadt von Belarus vereinbarte Friedensplan für den Konflikt im Osten der Ukraine liegt auf Eis. Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig vor, gegen das Abkommen zu verstoßen. Baerbock sagte, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf das Abkommen gebe. Sie wolle alles dafür tun, dass ein Treffen auf Normandie-Ebene rasch zusammenkomme.

Zu den von Russland geforderten Sicherheitsgarantien an den Westen sagte Baerbock: "Wir sind bereit zu einem ernsthaften Dialog über gegenseitige Vereinbarungen und Schritte, die allen in Europa mehr Sicherheit bringen." Die Gespräche des Nato-Russland-Rates und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) seien erste Schritte in der vergangenen Woche gewesen. Lawrow erklärte, dass Russland jetzt auf schriftliche Vorschläge aus dem Westen warte. Russland hatte ein Ende der NATO-Osterweiterung gefordert und einen Verzicht auf Aufnahme der Ukraine in das Bündnis.

Borrell besorgt über Ostukraine

Indes zeigte sich der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag in Straßburg besorgt. Die von pro-russischen Separatisten kontrollierten Regionen in der Ostukraine entfernten sich "immer weiter von der Ukraine" und rückten "immer näher an Russland heran", so Borrell. Es drohe insbesondere eine schrittweise "De-facto"-Eingliederung des Donbass in Russland.

Derzeit sorgt ein russischer Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze für Befürchtungen im Westen. Borrell sagte am Montag, ein "massiver" russischer Angriff auf die Ukraine sei "nicht das wahrscheinlichste Szenario". Es gebe jedoch "andere Angriffsmöglichkeiten, zum Beispiel Cyberangriffe". In der Nacht auf Freitag waren die Websites mehrerer ukrainischer Ministerien attackiert worden. Kiew machte Russland für den Cyberangriff verantwortlich.

Borrell warnte Moskau erneut vor den Konsequenzen einer militärischen Aggression gegen die Ukraine. In einem solchen Fall werde es "Sanktionen" geben, über die beim Treffen der EU-Außenminister am 24. Jänner in Brüssel diskutiert werde, sagte der Außenbeauftragte.

(APA)