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Pizzicato

Big Dog Boris

Halali! In London ist die Jagdsaison eröffnet. Selbst in konservativen Blättern ist die Schonzeit vorbei. Die Presse riecht Blut, die Paparazzi nehmen Witterung auf.

Neulich lichteten sie den Premier in Haube und Boxershorts ab, als er im Dunklen mit Hund Dilyn im St. James Park joggen ging. Da half kein Gekläffe: Auch der Jack-Russell-Terrier konnte nichts ausrichten. Die Fotografen hatten den „Big Dog“ im Visier: Boris Johnson, den Golden Retriever.

Die Downing Street hat in ihrer Verteidigungsstrategie im Abwärtsstrudel von „Partygate“ folgerichtig zwei Codenamen ausgeheckt: „Save Big Dog“ und „Operation Red Meat“. Um den Kopf des bulligen Premiers zu retten, werfen sie der Pressemeute in einem Ablenkungsmanöver rotes, rohes Fleisch vor. Und die Zeitungen gaben der Palastrevolte unter den Tory-Hinterbänklern den blutigen Namen „Pork Pie“-Putsch, weil im Wahlkreis der Rädelsführerin – einem Zentrum der Fleischindustrie – Schweinefleisch zu Pastete verarbeitet wird. So viel ist klar: Die Hetzjagd ist definitiv nichts für Vegetarier, Veganer oder Frutarier.

In der „Question Time“ stellte sich Johnson im Parlament der Opposition, die ihn durch den Fleischwolf drehen will. Im „Tea Room“ wollte der Premier hernach die Gemüter der Parteirebellen beschwichtigen. Für ihn ist die „Wine Time“ vorüber. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2022)