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Praktikum

Wien bittet Pflege- und Medizin-Studenten um Hilfe

Omikron könnte zu einem Personalmangel in Spitälern führen, Studenten sollen aushelfen.
Omikron könnte zu einem Personalmangel in Spitälern führen, Studenten sollen aushelfen.imago images/Shotshop
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Die Stadt Wien und der Wiener Gesundheitsverbund bitten Pflege- und Medizin-Studenten in Spitälern und Pflegewohnheimen auszuhelfen. Die Entlohnung in Höhe von 737 Euro brutto sorgt allerdings für Kritik.

Es ist eine hinlänglich bekannte Situation. Mit der Pandemie hat sich ein akuter Mangel beim Pflege- und medizinischen Personal entwickelt. Zwei Jahre Pandemie, ständige Überbelastung, plus schlechte Bezahlung vor allem in der Pflege haben Spuren hinterlassen. Keine guten Aussichten für die aktuelle Omikron-Welle, wo man auch ohne den bereits existierenden Mangel von einem Versorgungsnotstand ausgehen kann.

Die Stadt Wien schickte deshalb am Dienstag, 19. Jänner, einen Brief an die Studierenden des Bachelorstudienganges Gesundheits- und Krankenpflege. „Da die Prognosen möglicherweise einen großen Personalausfall in den Krankenanstalten und Pflegewohnheimen vorhersagen, planen wir personelle Unterstützungsangebote“, heißt es in dem Schreiben, das „Falter"-Journalistin Nina Horaczek als eine der ersten auf Twitter veröffentlichte. Man biete daher den Studierenden einen „freiwilligen und bezahlten Einsatz“ entsprechend ihres Ausbildungsstandes in klinischen Bereichen des Wiener Gesundheitsverbundes in den Semesterferien. Dafür gebe es auch eine Aufwandsentschädigung in der Höhe von 737 Euro für einen vollen Kalendermonat (brutto, inklusive anteiliger Sonderzahlung). Man solle aber bitte daran denken, dass ein Zusatzverdienst zu einer Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze führen könne.

Sind 737 Euro zu wenig?

737 Euro - das ist nicht viel, wie man auf Twitter sofort bemerkte. Vor allem, wenn man einen „wertvollen Beitrag zur Bewältigung der Krisensituation leisten kann“, wie es in dem Schreiben heißt.

Beim Wiener Gesundheitsverbund will man das auf Nachfrage der „Presse“ so nicht sehen. Es handle sich um „ein Praktikum“, das man sich nachher im Studium auch anrechnen lassen könne, erklärt eine Sprecherin. Angeschrieben wurden nicht nur Pflegestudenten, sondern auch Medizinstudenten, die übrigens gleich entlohnt werden würden. Bei der Entlohnung des Praktikums handle es sich um einen „festgelegten Betrag im Besoldungsschema“ der Stadt Wien - ungefähr 630 Euro plus anteilige Sonderzahlungen. Das sei rechtlich so festgelegt, so die Sprecherin, „da können wir nicht umhin“. Und überhaupt: „Viele Studierende leisten gerne einen Beitrag, auch, um Erfahrungen zu sammeln.“ In vielen Einrichtungen seien verpflichtende Praktika außerdem unbezahlt.

Rückmeldungen gebe es innerhalb der kurzen Zeit noch nicht viele, aber allein an einem Ausbildungsstandort hätten sich mehr als zehn Studierende gemeldet, so die Sprecherin. Übrigens dürfen Spitäler seit einigen Wochen auch schon pensionierte Kollegen wieder zurückholen, so sie denn wollen. Die werden dann freilich entsprechend ihrer Erfahrung bezahlt. Die Personalsituation sei derzeit in den Spitälern auch noch stabil. 

„Dazu fehlen mir wirklich die Worte"

Elisabeth Potzmann, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, sieht die Sache mit den Praktika anders. Tatsächlich sei der Vorschlag, die Studierenden einzusetzen, schon vor einem Jahr von ihrer Seite aus forciert worden. „Da war der Vorschlag, dass man Studierenden, die sich meist ohnehin mit Kellnern etc. Geld dazuverdienen, nach dem vierten Semester einen Abschluss in der Pflegeassistenz ermöglicht, so können sie in den Ferien Geld verdienen und jedem wäre geholfen.“ Denn dass die Personalsituation in einer Pandemie schwierig ist, wusste man ja bereits damals. Doch der Vorschlag wurde nicht weiterverfolgt. Ein Pflegeassistent bekommt übrigens ungefähr 1800 Euro Brutto beim Berufseinstieg.

Jetzt, mit Omikron, sagt Potzmann, sei Feuer am Dach. Dass man am 19. Jänner erst die Anfrage verschickt habe, hält sie für reichlich spät, aber gut, nur sei das Angebot alles andere als „adäquat“. Denn erstens stehe in dem Schreiben nicht einmal drinnen, dass es sich um ein Praktikum handle, das man sich anrechnen lassen könne, zweitens könne es nicht sein, „dass Studierende, die helfen wollen, eventuell sogar ihr Stipendium verlieren, wenn sie dieses Angebot nützen“. Drittens hält sie die Bezahlung von 737 Euro für deutlich zu wenig. „Dazu fehlen mir wirklich die Worte“, sagt sie. Ein Mindestsicherungsbezieher würde mehr bekommen. „Das sehe ich schon sehr kritisch“.