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Forschungsförderung

Quanten, Zellteilung, Motoren und IT-Sicherheit

(c) imago/photothek (Ute Grabowsky/photothek.net)
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Etwa vier Millionen Euro erhält jeder der neu genehmigten Spezialforschungsbereiche (SFB). Nach Kritiken der mangelnden Diversität bei bisherigen Vergaben sind 2022 drei der vier SFB-Koordinatoren Frauen.

Gerüchte über das Ende der Förderschiene „Spezialforschungsbereich, SFB“ vom Wissenschaftsfonds FWF kursieren alle Jahre wieder. Nachdem schon vor Jahren manche Forscher das Gefühl hatten: „Wir sind der letzte SFB, der noch genehmigt wurde“, stiegen die Sorgen um das hoch dotierte Förderprogramm zuletzt im Februar 2021, als die Mittel der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung (jährlich 100 Millionen Euro) ausliefen. Doch im Oktober erklärte das Wissenschaftsministerium, dass aus dem neuen Fonds Zukunft Österreich bis 2025 jährlich 140 Mio. Euro für die heimische Forschung zur Verfügung stehen sollen.

Am Donnerstag zeigten sich nun erste Früchte aus diesem Topf: Der Wissenschaftsfonds FWF fördert im Jahr 2022 vier neue Spezialforschungsbereiche mit insgesamt 14,8 Millionen Euro. Das Besondere der SFBs ist, dass nicht einzelne Gruppen oder Institutionen die Finanzierung erhalten, sondern ganze Netzwerke – oft auch mit länderübergreifenden Kooperationen. 26 Konsortien haben bis September 2021 ein Konzept eingereicht, vier davon wurden nun nach internationaler Begutachtung genehmigt. Bei dreien steht eine Frau an der Spitze.

Mit Partnern im ganzen Land

Die Physikerin Silke Bühler-Paschen von der TU Wien leitet das SFB „Korrelierte Quantenmaterialien und Festkörper-Quantensysteme“. In den kommenden vier Jahren sollen Forschungen rund um Quantencomputer und gewisse „korrelierte Quantenmaterialien“ verbunden werden, also Designermaterialien mit Quanteneffekten. In Zusammenarbeit mit Forschern des Institute of Science and Technology (IST) Austria will das Team rätselhafte Hochtemperatursupraleitungen aufspüren und Quanten-Bauelement steuerbar machen.

Die Biochemikerin Verena Jantsch-Plunger von den Max Perutz Labs und der Uni Wien koordiniert den SFB „Meiose“, wie die Bildung von Ei- und Samenzellen genannt wird. Mit Partnern in Wien, Linz und Klosterneuburg sollen die Einzelschritte der Meiose an Modellorganismen bis zum Menschen beleuchtet werden. Immerhin ist dieser Prozess für die Evolution und Anpassung wichtig, und Fehler der Zellteilung verursachen Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten oder genetische Erkrankungen.
Im SFB „Computergestütztes elektrisches Maschinenlabor“ kooperiert die Elektroingenieurin Annette Mütze von der TU Graz mit der Uni Linz und der TU Darmstadt (Deutschland). Ihr Team will elektrische Maschinen, insbesondere Motoren, an immer neue Herausforderungen anpassen. Es geht dabei um völlig neue Ideen und Paradigmenwechsel rund um Materialverhalten, Lärmentwicklung und Kühlungstechniken bei elektrischen Motoren.

Der einzige männliche SFB-Leiter heißt Matteo Maffei und ist Informatiker an der TU Wien. Mit den Unis Wien und Klagenfurt, der TU Graz sowie dem IST Austria plant das von ihm koordinierte SFB „SPyCoDe“ digitale Werkzeuge, mit denen IT-Systeme von vornherein sicher sind und die Privatsphäre schützen: Damit Unternehmen das Prinzip „Security and Privacy by Design“ in Zukunft verwirklichen können.
Bei der Präsentation betonte FWF-Präsident Christof Gattringer: „In Österreich wäre noch mehr Potenzial für Spezialforschungsbereiche vorhanden. Ob wir künftig weitere fördern können oder nicht, hängt vom angekündigten Fonds Zukunft Österreich ab, der noch nicht in trockenen Tüchern ist.“

Lexikon

Ein Spezialforschungsbereich (SFB)umfasst ein Netzwerk mit bis zu 15 Forschenden von unterschiedlichen Disziplinen und Standorten.

Seit der Einführung des Programms anno 1993 hat der Wissenschaftsfonds FWF 400 Millionen Euro an 55 Spezialforschungsbereiche vergeben.