Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Interview

Yasmina Reza: "Sie zanken in Auschwitz wegen Lappalien"

„Identität beruhte bei uns nicht auf kultureller oder rassischer Zugehörigkeit“.
„Identität beruhte bei uns nicht auf kultureller oder rassischer Zugehörigkeit“.(c) FRED DUFOUR / AFP / picturedesk
  • Drucken

Yasmina Reza hat einen Roman über eine jüdische Familie und ihren Auschwitz-Trip geschrieben: Ein Gespräch über Identität, spirituelles Erlöschen und tyrannische Obsessionen.

Die Presse: Die Holocaust-Erinnerungskultur sei erstarrt, nütze kaum noch dem Lernen aus der Geschichte, hört man seit Langem. Sehen Sie das auch so?

Yasmina Reza: Alles hängt davon ab, was man mit „Erinnerung“ meint und ihrem „Nutzen“. Wenn der Sinn all der kulturellen Einimpfungen ist, zu verhindern, dass sich eine solche Katastrophe wieder ereignet, bezweifle ich sehr, dass das gelingen kann. Die Verbrecher von damals waren kultivierte Menschen, sie gehörten zu einer entwickelten Gesellschaft, die alle Werkzeuge hatte, um das Gute und das Böse zu denken.

Ist Ihr Roman „Serge“ auch ein Abschied von einer gewissen Form des Verhältnisses zum Holocaust, das mit dem Tod der letzten Zeitzeugen unmöglich wird?