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Zahlen-Panne

Hacker an Mückstein: "Ihr lasst uns völlig in der Luft hängen"

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker beklagt das Datenchaos rund um die Corona-Zahlen.
Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker beklagt das Datenchaos rund um die Corona-Zahlen.APA/GEORG HOCHMUTH
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Wiens Gesundheitsstadtrat kritisiert den Gesundheitsminister, nachdem es wiederholt zu Problemen bei der Übermittlung der Corona-Zahlen vom Bund an die Länder gekommen war. Dies stelle ein „erhebliches Sicherheitsrisiko“ dar, schreibt Hacker in einem Brief.

"Es ist unglaublich“. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zeigt sich nicht sonderlich erfreut über das jüngste Datenchaos zwischen Bund und Ländern in Sachen Corona-Infektionszahlen. „Ich hab heute den mit Abstand schlechtesten aktuellen Überblick über die Situation in der Bundeshauptstadt seit Beginn der Pandemie“, schreibt er in einem mit 22. Jänner datierten Brief an Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne), wie „Der Standard“ berichtet.

Zum Hintergrund: Von Donnerstag bis Samstagabend hatte es keine offiziellen Zahlen über das Infektionsgeschehen in Österreich gegeben. Die neuen Rekordwerte hatten dafür gesorgt, dass es zu Ausfällen im elektronischen Meldesystem (EMS) gekommen war, bereinigte Daten wurden nicht oder mit Verzögerung an die Länder übermittelt.

Am Samstag wurden die Zahlen der Neuinfektionen der vergangenen drei Tage dann nachgeliefert, allerdings sind die Zahlen offenbar immer noch nicht vollständig bereinigt. Das geht aus einem internen Schreiben vor, das der Austria Presseagentur vorliegt: Erst frühestens am Dienstag soll der "Bereinigungsvorgang" abgeschlossen sein, wird darin die Ages zitiert. Derzeit seien die Zahlen "vermutlich" noch "voller Duplikate".

Hacker ortet „erhebliches Sicherheitsrisiko"

„Immer häufiger erfolgt die Datenlieferung, die für ein abgestimmtes Berichtswesen zwischen Bund und Land so wichtig ist, erst mit immenser täglicher Verzögerung, sodass elementare Vorgänge des medizinischen Krisenmanagements, wie die Erstellung eines aktuellen Lagebildes nur mit Verzögerung erfolgen kann“, beschreibt Peter Hacker die Problematik. Dies stelle ein „erhebliches Sicherheitsrisiko“ in den Bemühungen um die Eindämmung der Pandemie dar. Vor allem vor dem Hintergrund der sich „extrem rasch ausbreitenden Omikron-Variante“ seien zeitnahe Analysen entscheidend, so Hacker.

Er warnt vor „Volatilitäten in besonders prozesskritischen Bereichen": „Wenn das EMS stillsteht, können keine Übergaben von Covid-19-Positiven in ein anderes Bundesland erfolgen." Die zuständige Landesbehörde würde somit keine Information über die positiv getestete Person erhalten, weshalb keine behördliche Absonderung erfolgen könne, so Hacker. Zudem sei auch der dadurch entstandene Image-Schaden beträchtlich: „Diese wiederholte und über längeren Zeitraum hinweg schwere Instabilität des Datenaustauschs mit dem EMS schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit unserer gemeinsamen Bemühungen in der Eindämmung von Covid-19 und befeuert Skepsis und Unmut in der Bevölkerung“, so der Wiener Gesundheitsstadtrat.

Bessere und „selbstkritische“ Kommunikation gefordert

Aber statt „selbstkritische transparente Kommunikation“ zu pflegen, lasse das Gesundheitsministerium die Stadt Wien über die technische Problemstellung, Fehlerursache und Lösungsstrategie und vor allem die weitere Vorgangsweise „völlig in der Luft hängen“, klagt Hacker. Statt „kollegialer Zusammenarbeit" würde kommuniziert, „dass das EMS fehlerfrei läuft“. Eine „völlige Falschmeldung“ laut Hacker - und „wirklich inakzeptabel“.

Der Wiener Gesundheitsstadtrat hatte immer wieder Vorgaben aus dem Gesundheitsministerium kritisiert und sich für eigene Vorgangsweisen ausgesprochen. Er hatte etwa 2-G am Arbeitsplatz in den Raum gestellt und, bevor diese dann tatsächlich herabgesetzt wurde, sich für eine verkürzte Quarantäne bei einem Kontakt zu einem Omikron-Infizierten ausgesprochen. Auch bei der Wiederanerkennung der Wohnzimmertests wird Wien nicht mitziehen.

Nun fordert er vom Gesundheitsminister transparente und offene Kommunikation. Und auch, „rasch für eine Stabilität des Systems zu sorgen, um unseren Behörden weiterhin ein aktives Corona-Management zu ermöglichen."

>> Zum Brief im Wortlaut, abgedruckt vom „Standard"

(Red.)