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Leitartikel

Nun sag' Deutschland, wie hast du's mit der Russland-Politik?

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) muss über die deutsche Russland-Politik nachdenken.(c) imago images/photothek (Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de)
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Die Empörung ist groß, überraschen sollte die deutsche Haltung in der Ukraine-Krise aber nicht. Rückt Berlin von ihr ab, könnte das Europa prägen.

Als die Flieger der britischen Royal Air Force vor einer Woche mit Anti-Panzer-Raketen im Laderaum die ukrainische Hauptstadt, Kiew, anflogen, nahmen sie eine ungewöhnliche Route. Statt des kürzesten Wegs, der buchstäblichen Luftlinie, zogen sie einen weiten Bogen über die Nordsee, querten Dänemark und dann Polen. Ein – anonymer – britischer Offizieller erklärte der „New York Times“ den Grund für den seltsamen Umweg: Die Briten hätten es sich nicht antun wollen, in Berlin um eine Überfluggenehmigung anzusuchen. Die zögerlichen Deutschen zu fragen hätte nur wertvolle Zeit gekostet.

Was auch immer der Grund für den seltsamen Kurs der Royal Air Force war, die Anekdote steht sinnbildlich für die Erzählung über Deutschland, die in der Ukraine-Krise in weiten Teilen Europas verbreitet wird: Während der Westen sich anschickt, den Imperiumsfantasien des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, etwas entgegenzusetzen, sitzen die Deutschen auf ihren Händen. Auf sie sei kein Verlass, wenn es um Russland gehe. Sie übten eine Form der Neutralität, die in den Augen der Ukrainer bereits zum „Verrat an Freunden“ gerät. So sagte das der Kiewer Bürgermeister, Vitali Klitschko. So ähnlich formuliert es der ehemalige ukrainische Botschafter in Österreich, Olexander Scherba, gegenüber der „Presse“.