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Irland ist pleite. Sorry to say.

Europa hat aus dem Desaster in Athen nichts gelernt. Jetzt gibt es eine zweite Chance.

Aus Sicht des offiziellen Europa ist die Sache nicht wirklich dramatisch. Gut, EU-Kommissar Olli Rehn musste in Dublin kurz nach dem Rechten sehen. Aber Meldungen, wonach Irland unter Kuratel der Europäischen Union stehe, seien völlig überzogen. Die EU-Kommission sieht das Land vielmehr auf einem guten Weg.

Leider ist das kleine Land, das die Damen und Herren in Brüssel auf einem guten Weg sehen, pleite. Auf das ohnehin schwer gebeutelte Irland rollt nämlich gerade die zweite Welle der Krise zu. Nach den Gewerbeimmobilien „kracht“ nun der Markt für Eigenheime, der auch robustere Banken schwer treffen wird. Verluste, für die der irische Staat geradestehen wird.

Das tut er deshalb, weil sich Dublin darauf verlassen kann, durch die Euro-Partner gerettet zu werden. Warum sollte Irland auch schlechter behandelt werden als Griechenland? Die EZB kauft auch schon seit Wochen irische Staatsschulden auf. Die Haftung Irlands für seine Banken übersteigt nämlich die finanziellen Ressourcen des Landes bei Weitem, wie der Ökonom Morgan Kelly meint.

Spätestens jetzt wäre es an der Zeit, die Gläubiger Irlands an den Tisch zu bitten, um eine Umschuldung samt Forderungsverzicht der Banken auszuhandeln. Nur so kann der harte Sanierungskurs der irischen Regierung aufgehen.

Zudem wäre es nicht schlecht, wenn Brüssel rasch klären könnte, wie mit dem Bankrott von EU-Staaten künftig umzugehen ist. Bevor größere Kaliber vor der Türe stehen. Wenn einmal Spanien oder Italien anklopft, ist es dafür nämlich zu spät.

 

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2010)