Nestroy-Preise: Gastgeber Burgtheater räumt ab

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Die elfte Auflage der Nestroy-Verleihung war überraschend hölzern. Die Schmähs von Moderator Simonischek waren bestenfalls bemüht. Paulus Manker sorgte für etwas Pfeffer. Die Party danach wollte nicht zünden.

Man sollte meinen, Schauspieler können eine Sache besonders gut: frei sprechen. Umso mehr fiel bei der diesjährigen Verleihung der Nestroy-Theaterpreise auf, wie viele Schauspieler ihre Lobreden vom Zettel ablesen mussten. Ist das die Ignoranz der Branche gegenüber solchen Preisverleihungen? Oder schämt sie sich, gefeiert zu werden?

Wobei man es den Schauspielern nicht wirklich übel nehmen kann. Die Nestroy-Gala wirkte bei ihrer elften Auflage am Montag seltsam hölzern und holprig. Die Schmähs von Moderator Peter Simonischek waren bestenfalls bemüht, das Buch enthielt dafür viel Plattes: „Theater ist für alle da.“ Ein großartiger Schauspieler muss nicht automatisch ein großartiger Moderator sein. Der auf der Bühne herumlungernde Struwwelpeter, der dem Abend eine komödiantische Klammer hätte geben sollen, war wenig originell. Die meisten Lobreden waren keine Pointenfeuer. Von wenigen Ausnahmen abgesehen: Die Schauspielerinnen Birgit Minichmayr, Sylvie Rohrer und Johanna Wokalek konnten ihre Laudatio auf die nominierten „Besten Schauspieler“ nicht nur frei vortragen, sondern auch mit spürbarer Zuneigung zu den Nominierten versehen. Gewonnen hat schließlich der von Wokalek gelobte Martin Wuttke. Auch Otto Schenk, Roland Koch und Paulus Manker konnten die nominierten „Besten Schauspielerinnen“ treffend umschreiben. Schenk sagte: „Ich möchte gerne einer Kommission angehören, die Kirsten Dene heiligspricht.“ Daraus wurde vorerst nichts. Den Preis hat sie dennoch bekommen. Und Schenk einen liebevollen Kuss von der Geehrten.


Artig, angepasst und in der vorgegebenen Zeit (TW1 zeigte die Verleihung zeitversetzt) bedankten sich die Preisträger. Nur „Publikumsliebling“ Paulus Manker hielt – wie im Vorfeld angekündigt – eine launige Rede. Der zuvor von Simonischek als „Pfefferschote des Wiener Theaters“ Benannte beschwerte sich über die fehlende Anwesenheit von Kulturministerin Schmied und die fehlende Unterstützung der Politik. Er verwies darauf, dass seine „Alma“-Produktion aus Geldmangel vor dem Aus stehe. Das war ganz amüsant, aber: Auch Manker war schon schärfer. Kurz darauf dankte die Gewinnerin der „Besten Off-Produktion“, Sabine Mitterecker (für „Frost“ im Mumok), wiederum Ministerin Schmied, dass sie eine Wiederaufnahme des Stückes ermöglicht habe.

Der Gastgeber des Abends, das Burgtheater, räumte auffallend viele Preise ab. Was dem neuen Direktor, Matthias Hartmann, sogar ein bisschen peinlich zu sein schien. Als er den Spezialpreis für die öffentlichen Proben zu Tolstois „Krieg und Frieden“ entgegennahm, sagte er: „Zwei Preise wären Bestechung. Ganz ohne Preis nach Hause zu gehen wäre auch scheiße.“

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Party danach: Die Veranstalter bemühen sich redlich, die Feier zu zerstören. Was einst ein ungezwungenes Theatertreffen war, verkommt zu einer steifen Pflichtübung. Das wurde heuer durch einen mit Kordeln abgesperrten VIP-Bereich für die Schauspielstars im Rathaus getoppt. Der letzte Funken Stimmung ging dadurch verloren, dass nur im Arkadenhof geraucht werden darf. Dort war zeitweise mehr los als im Großen Festsaal zwei Stöcke darüber. Siehe auch Subtext auf Seite23

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10. November 2010)

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