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Management

Powerplay für Manager

New York
New YorkREUTERS
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Kolumne "Hirt on Management": Folge 169. Was Manager von einem der größten Bauherrn der Weltgeschichte lernen können.

Robert Moses (1888-1981) hat als Stadtplaner und öffentlicher Bauherr, die Stadt New York und ihr Umland, in mehr als 40 Jahren, grundlegend umgestaltet, ihr bis heute ihr Gesicht gegeben und war einer der größten Bauherren der Weltgeschichte.

Moses schuf, unter anderem, ein weitläufiges Netzwerk von 35 Stadtautobahnen mit hunderten von Kilometern, zwölf riesige Brücken, die die fünf Hauptstadtteile von New York miteinander und mit dem Festland verbinden, hunderte von Parks, dutzende von öffentlichen Schwimmbädern, das Lincoln Center, das Shea Stadium, Wohnprojekte für hunderttausende New Yorker, die Weltausstellung von New York 1964 und leistete einen entscheidenden Beitrag dafür, dass die Zentrale der Vereinten Nationen in Manhattan gebaut wurde.

Moses war legendär und gefürchtet für seine rücksichtslose, oft brachiale Vorgangsweise, wurde aber auch von einer Sukzession von Gouverneuren und Bürgermeistern von New York für eine ganz zentrale Sache geschätzt: nämlich, dass er zuverlässig und mit unglaublicher Geschwindigkeit, Ergebnisse lieferte und zwar sichtbare Ergebnisse in der Form von gigantischen Bauwerken für die Öffentlichkeit, die zuverlässig, gute Presse und Wählerstimmen brachten.

Chancen entschlossen nutzen

Eigentlich war die Laufbahn von Moses im Alter von 30 Jahren in einer totalen Sackgasse.

Als Al Smith 1918 zum ersten Mal zum Gouverneur von New York gewählt wurde, wurde Moses, Smith empfohlen und nutzte seine Chance, ohne jemals zurückzublicken.

Er baute eine starke und vertrauensvolle Beziehung mit Smith auf, die Moses ermöglichte, sehr viel abgeleitete Macht von Smith zu nutzen, um große Dinge in Bewegung zu bringen.

Moses ging jetzt schnell, rücksichtslos und durchaus mit hohem Risiko vor, um seine Baupläne umzusetzen. Ihm war klar, dass es sich hier um die Chance seines Lebens handelte und er war bereit, alles Notwendige zu tun, um diese zu nutzen.

Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis für Managerinnen und Manager, insbesondere aber auch für Unternehmerinnen und Unternehmer.

Es ist irrsinnig schwierig in der Welt Außergewöhnliches zu erreichen, man kann von unglaublichem Glück reden, wenn man eine einzige Chance bekommt, um etwas Außergewöhnliches auf die Beine zu stellen.

Der Schlüssel liegt darin, diese Gelegenheit zu erkennen und dann mit aller Kraft und allem Einsatz, daraus etwas zu machen, weil ein ganzes Leben und eine ganze Erfolgsgeschichte, aus dieser einen Gelegenheit, wenn diese mit Entschlossenheit erfolgreich entwickelt wird, abgeleitet werden kann.

Denn nichts ist erfolgreicher als Erfolg und die erste Million ist die schwerste.

Die Macht ausbauen und zementieren

Moses wusste das Vertrauen von Gouverneur Smith gut zu nutzen und baute seine Macht aggressiv aus, in dem er z.B. Gesetze so geschickt entwarf, dass diese ihm enorme Macht und Gestaltungsmöglichkeiten gaben, ohne dass es im ersten Moment, die Abgeordneten des Staates New York merkten, die diese Gesetze blauäugig verabschiedeten.

Moses machte sich, auch so weit wie möglich, von den Wechselfällen der Politik und neuen Gouverneuren und Bürgermeistern unabhängig.

Einerseits schuf er zahlreiche unabhängige Bau- und Betriebsgesellschaften für unterschiedliche Brücken und andere Bauwerke, deren Generaldirektor er regelmäßig war.

Er achtete darauf, dass seine Funktionsperioden in diesen Gesellschaften unterschiedlich zeitversetzt waren, also ein neuer Gouverneur oder Bürgermeister ihn nicht aus allen Funktionen gleichzeitig entfernen konnte.

Außerdem sorgt er dafür, dass diese Gesellschaften durch Mauteinahmen und die selbstständige Fähigkeit Anleihen zu begeben, möglichst von der Politik unabhängig waren und baute damit sein eigenes, gar nicht so kleines Imperium auf, dass sich zu einem wichtigen Teil sogar selbst finanzierte.

Am Höhepunkt seiner Macht hatte Moses die Generaldirektion von zwölf unterschiedlichen Gesellschaften inne. Er hatte fünf oder sechs Büros, Scharen von Mitarbeitern und Assistenten und sogar eine eigene Polizeieinheit.

Die wichtige Lektion hier ist, die Chance zu nutzen, nicht nur, um Großartiges in Bewegung zu bringen, sondern auch um sich selbst unabkömmlich zu machen und die eigene Machtposition zu zementieren.

Und das, sowohl durch die Leistungen die man erbringt und die Ergebnisse die man liefern kann, als auch durch strukturelle Maßnahmen, die es sehr schwierig, bis unmöglich, machen, einen zu ersetzen.

Der Fantasie, z.B. für so genannte „Landesfürsten“ sind hier keine Grenzen gesetzt.

Die Fehler der anderen ausnutzen

Die Welt ist weit davon entfernt, ein perfekter Platz zu sein.

Es passieren laufend zahlreiche, auch große und haarsträubende, Fehler, aus Schlamperei, Faulheit und Dummheit und wenn man sich einer Fragestellung ausreichend präzise und tiefgehend genug widmet, dann kann man eben diese Fehler und Anomalien entdecken und zu seinem Vorteil nutzen.

Moses war ein hochintelligenter, ausgezeichneter Yale- und Oxford- Absolvent, der mit einer unglaublichen Verbissenheit und Aufmerksamkeit für Details, sehr viel Zeit damit verbrachte, Situationen und Sachlagen zu analysieren, um in zahlreichen Situationen und Projekten, die auf den ersten Blick unmöglich erschienen, doch noch zu einer Lösung zu kommen.

Oft beruhten diese Lösungen auf rechtlichen Feinheiten oder rechtlichen Fehlern, die nur Moses erkannt hatte, oder auf Fehlverhalten oder Irrtümern anderer, die er entschlossen und rücksichtslos ausnutzte, um seine Ziele zu erreichen.

Die Lektion für Managerinnen und Manager und für Unternehmerinnen und Unternehmer ist, dass man gezielt nach dem ungewöhnlichen, nach der Anomalie und nach den Schwachpunkten suchen soll, also nicht davon ausgehen soll, dass alles normal und standardisiert ist und sich daraus enorme Möglichkeiten ergeben können, wenn man diese konsequent ausnutzt.

Man muss dazu natürlich auch oft bereit sein, Konflikte und Konfrontationen, Streit und Gerichtsverfahren auszuhalten, kann dann aber oft außergewöhnliche Vorteile und Gewinne erlangen.

 

Das Wichtigste in Kürze

Nutzen Sie Ihre Chancen entschlossen, bauen Sie Ihre Macht zügig aus und zementieren Sie diese, machen Sie sich unabkömmlich und nutzen Sie die Fehler der anderen und Anomalien konsequent zu ihrem Vorteil.

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns damit, was Executive Presence ist und wie Sie diese bei Sich ausbauen.

 

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 10. Februar 2022 zur Frage: Executive Presence ausbauen.

 

 

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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