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Weltbank-Chef: "Goldpreis ist ein Riesenproblem"

World Bank President Zoellick speaks at summit in Singapore
(c) Reuters (Edgar Su)
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Die Verwendung von Gold als alternative Anlagemöglichkeit sei ein Warnsignal, sagt Robert Zoellick. Es bedürfe einer Lösung durch die Politik. Eine Rückkehr zu einem starren Wechselkurs-System will er nicht.

In der Debatte um die Zukunft des globalen Währungssystems hat sich Weltbank-Präsident Robert Zoellick gegen einen Gold-Standard ausgesprochen und damit seine früheren Äußerungen präzisiert. "Ich plädiere nicht dafür, zum 19. Jahrhundert zurückzukehren, als die Geldversorgung an Gold gekoppelt war", sagte Zoellick am Mittwoch in Singapur. Da sei er von Kritikern missverstanden worden, sagte Zoellick laut "Financial Times".

Allerdings unterstreicht Zoellick die Bedeutung des Goldpreises für das internationale Währungssystem. "Es gibt ein Riesenproblem, und ich will, dass die Leute dieses wahrnehmen", sagte Zoellick zum Thema Gold. Es sei wichtig, dass die Regierungen der G20 über die Währungen hinaus blickten und sich auch auf volkswirtschaftliche Fundamentaldaten stützten. Die Märkte würden Gold bereits als alternative Anlagemöglichkeit nutzen, weil das Vertrauen schwinde. Gold sei so eine Absicherung gegen Ungewissheiten. "Das bedeutet, dass es ein Problem gibt, das einer Lösung bedarf."

Goldpreis auf über 1400 Dollar gestiegen

Zoellick sieht den hohen Goldpreis  - er schnellte am Dienstag erstmals über 1400 Dollar je Feinunze - als Indikator dafür, dass sich die Welt auf ein neues monetäres System zuwende, in dem der Dollar nur mehr eine von mehreren Reservewährungen mit flexiblen Wechselkursen sei.

Der Preis für Gold ist mittlerweile auf ein Rekordhoch von mehr als 1400 Dollar (1004 Euro) je Feinunze geklettert, vor allem wegen der Sorgen über die Dollar-Schwäche.

Zoellick will neues Wechselkurssystem

Zoellick hat sich bereits zu Wochenbeginn in einem Gastbeitrag für die "Financial Times" für ein neues System internationaler Wechselkurse ausgesprochen, in dem auch ein neuer Gold-Standard definiert werden sollte. Dieses System könnte das in den 1970er Jahren gescheiterte Bretton-Woods-Abkommens über feste Wechselkurse ersetzen, sagte Zoellick.

An diesem System müssten wahrscheinlich der Dollar, der Euro, der Yen, das britische Pfund und der chinesische Renminbi beteiligt sein. "Auch sollte das System in Betracht ziehen, Gold als einen internationalen Bezugspunkt für Markterwartungen zu Inflation, Deflation und künftigem Währungswert zu nutzen. Laut Lehrbuch gilt Gold zwar als altes Geld, doch die Märkte nutzen Gold heute als alternative Form von Geldanlagen", schrieb der Weltbank-Präsident.

"Bretton Woods III"

In Singapur bekräftigte Zoellick, die Weltwirtschaft bewege sich nach seiner Auffassung in Richtung eines "Bretton Woods III"-Systems. Das heutige System freier Wechselkurse bezeichnet er dabei als das "Bretton Woods II"-System. In der Volkswirtschaft wird das nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte und Anfang der 70er Jahre gescheiterte System fester Wechselkurse als Bretton-Woods-System bezeichnet. Es basierte auf dem US-Dollar als Ankerwährung, die mit Gold hinterlegt war.

Ökonomen halten einen Gold-Standard mehrheitlich für falsch. Ein Argument ist, dass die Geldmenge dann wegen der Endlichkeit der Goldvorräte nur begrenzt steigen könne, was zu Deflation führen würde. Derzeit werfen sich weltweit mehrere Länder gegenseitig vor, die eigene Währung schwächen zu wollen, um der Exportwirtschaft Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

(Ag.)