„Love me Tinder“, so heißt die Performance der Abschlussklasse des Divercity Lab. Das Stück ist als Gastspiel im Werk X zu sehen.
Warum überhaupt nach Liebe suchen, wenn euch im Kapitalismus alle Vorteile von Sex ohne die Strapazen einer Beziehung geboten werden? Warum in einer festen Langzeitbeziehung verweilen, wenn ihr jeden Tag ein neues Verhältnis eingehen könnt? Was hat die sexuelle Revolution bezweckt, wenn ihr letzten Endes nur mit einer Person für den Rest eures Lebens Sex habt? Warum nicht brave Konsumierende spielen und tagtäglich an der Börse der Liebe mitmischen? Diese Fragen stellen sich die sieben spielenden Personen in „Love me Tinder“, einem „performativen TED-Talk“, der am 30. und 31. Jänner im Werk X zu sehen ist.
Es ist das Abschlussprojekt der „Divercity Lab Academy“: Die sieben Schauspielgeschulten haben die Performance gemeinsam mit dem Regisseur Yosi Wanunu entwickelt. „Yosi war der Wunschregisseur, und das Thema hat sich so entwickelt. Jede Klasse hatte immer ein Topic für sich, oft waren es politische Themen. In der jetzigen Klasse waren von Anfang an Geschlechteridentität und Sexualität ein Thema“, sagt Asli Kislal, künstlerische Leiterin des Divercity Lab. Dieses hat es sich zur Aufgabe gemacht, Diversität in die darstellende Kunst zu bringen. „Rein weiße Ensembles, wie sie in der saturierten Theaterwelt gängig sind, sind in Sachen Rassismuskritik nicht glaubwürdig. Ein Ensemble muss ähnlich divers wie die Gesellschaft sein, um von der gesamten Gesellschaft als relevant wahrgenommen zu werden“, heißt es im Mission Statement. „Nachdem die Europäer jahrhundertelang im Kunstkanon die Deutungshoheit hatten, nehmen wir uns die Freiheit, Weltliteratur neu zu definieren. Wir gestatten uns die Frechheit, das Tabu des Fremden und Exotischen offenzulegen und den Voyeurismus in der Kunst zu entlarven.“