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Chloé Delaume
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Literatur

Chloé Delaume: Ene mene muh, raus bist du!

So viel Spott. So viel Liebe. Und dieser Aberwitz! Chloé Delaume hat für „Das synthetische Herz“ über eine einsame Mittvierzigerin den Prix Médicis bekommen – man versteht schon auf den ersten Seiten, warum.

Da steht sie also in ihrer neuen Wohnung und weiß nicht recht, wie. Ist glücklich. Und verwundert. Stolz. Und irritiert. Freut sich über das 1,20-Meter-Bett, das ihr ganz allein gehört: „Ungekannte Einsamkeit, wonneweite Brust“. Fängt unter der Dusche an zu heulen, weil in der 38-Quadratmeter-Bleibe kein Platz für eine Badewanne ist. Singt laut zu „Le Premier Jour“ von Étienne Daho, eines der Stücke auf ihrer Playlist, die sie in einem Anflug von Behauptung, Sehnsucht und Überschwang „New Life“ genannt hat. Und da wäre noch dieser Schmerz: „Das Kratzen am Herzen kommt von der Scheidung, obwohl Adélaïde sie gewollt hat. Im Gerichtssaal hat es angefangen, seitdem raspelt es an ihren Herzkammern. Adélaïde stellt sich vor, dass sich ihr Herz häutet und die letzten Fetzen der Liebe abwirft, die sie für Élias empfunden hat. Darunter wartet eine nagelneue Haut auf neue Gefühle.“

Adelaide also, 46, frisch geschieden, nach sieben Jahren zunehmend öder Ehe bereit für den Aufbruch. Die Autorin schaut ihr zu, wie sie die Kisten auspackt, singt und duscht und den ersten Abend in der neuen Wohnung verbringt, bis sie, erschöpft von neuer Liebe träumend, einschläft – und kommentiert knapp: „Für Adélaïde wird es ein böses Erwachen geben. Das ist die Geschichte einer Rose, die noch nicht weiß, dass sie zum Mauerblümchen wird.“

Ach, so viele Gefühle. Und so viel Sarkasmus. Dabei sind wir erst auf Seite zwölf.