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Dunstfreier Arbeitsplatz in Europas Raucherparadies

(c) AP (Roberto Pfeil)
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Serbien rüstet sich für den Beitritt in die Europäische Union: Ab heute, Donnerstag, herrscht in Unternehmen ein absolutes Rauchverbot. Der Abschied vom geliebten Glimmstengel fällt vielen Serben aber schwer.

Belgrad. Selbst in der letzten Raucheroase Europas soll für die Freunde des blauen Dunstes zumindest bei der Arbeit nichts mehr so bleiben, wie es war. Druckfrische Verbotsschilder zieren in Serbien seit Tagen Bürowände und Werkshallen: Ab heute, Donnerstag, soll auch in der stolzen Rauchernation absolutes Rauchverbot am Arbeitsplatz gelten.

Der Abschied vom Glimmstengel fällt vielen Serben schwer. Mehr als ein Drittel der Erwachsenen raucht regelmäßig. Die Serbinnen können sich gar mit dem Titel der Rauch-Europameisterinnen zieren. 45 Prozent der Bevölkerung sind am Arbeitsplatz dem Zigarettenqualm ausgesetzt.

Noch unter dem verstorbenen Ex-Autokraten Slobodan Milošević hat Belgrad 1995 versucht, den Zigarettenqualm zumindest am Arbeitsplatz zu reduzieren. Doch die Vorgabe, dass nicht geraucht werden darf, wenn zumindest ein Nichtraucher sich gestört fühlt, ging im kollektiven Nikotin-Dampf völlig folgenlos unter. Mit einer proeuropäischen Regierung nimmt der Balkanstaat nun einen zweiten Anlauf zur Reduzierung des Dunstes: Das Rauchverbot am Arbeitsplatz ist ein Schritt in Richtung des anvisierten EU-Beitritts. Mit Strafen zwischen 50 Euro für Einzelpersonen und bis zu 10.000 Euro für die Arbeitgeber hofft Belgrad, das hehre Vorhaben umzusetzen.

Den Anfang haben bereits Ende Oktober die eher unwilligen Schöpfer des Rauchverbots gemacht: Um ein gutes Beispiel für dessen Durchsetzung zu geben, verhängte das Parlamentspräsidium trotz heftiger Proteste der Volksvertreter ein absolutes Rauchverbot – und verbannte die fröstelnden Raucher vor das Parlamentstor in die kühle Herbstluft. Viele Firmen haben hingegen vorsorglich bereits Raucherzimmer für die vom Nikotinentzug geplagten Mitarbeiter eingerichtet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2010)