Der Schweizer Bernhard Russi war einst Franz Klammers stärkster Gegner, im Skisport zieht er jedoch auch in der Gegenwart seine Schwünge als Streckenarchitekt. Er schwärmt von Yanqings Abfahrt, erklärt sein Business, spricht über „echte Typen“ und glaubt, „dass Österreicher bessere Theaterspieler“ sind.
Die Presse: Skirennen genießen in Österreich enorme Popularität. Mutet das Drumherum nicht an wie ein Zirkus? Wie sehen Sie das als Schweizer Ex-Fahrer?
Bernhard Russi: Also ich stehe zu 100 Prozent zu diesem Zirkus. Freilich nicht als Clown, aber ich habe immer meinen Teil dazu beigetragen, dass der Skisport populärer und erfolgreicher wird. Ich habe aber früh erkannt, dass es ein Geben und Nehmen ist. Zu meiner Zeit war die Medienarbeit einfacher, der Kontakt war angenehmer, anders – nein: direkter. Damit war auch die Nähe zu Fans anders. Aber es geht immer um diesen einen Moment. Der bleibt in Erinnerung, der macht die Magie. Und dazu der Typ, der gewonnen hat.
Welchen Typ meinen Sie?
Es ist nicht so wichtig, dass man Sieger von gestern noch bildlich erkennt. Wir werden schließlich alle älter und verändern uns, bei mir ist das zumindest ein bisschen so (lacht). Ich unterschreibe aber, dass es Typen gegeben hat und immer geben muss. Die entstehen jeden Tag neu, sie sterben nicht aus. Durch sie bleibt das Skifahren ein Thema. Es ist aber dieser eine Moment, etwa bei Olympia. Darum kennen in Österreich ja auch heute noch, also 48 Jahre später, alle den Franz Klammer. Oder?