Salzburger Festspiele spielen sich frei

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Das Programm der Salzburger Festspiele birgt einige Überraschungen. Jedenfalls wird 2011 nicht nur das angekündigte "Interims"- Jahr nach Flimm. Das Programm hat Strahlkraft und lockt in den nächsten Sommer.

Boulez, Handke, Netrebko, Muti, Stein, Voss – wie üblich locken die Salzburger Festspiele mit großen Namen in den nächsten Sommer. Präsidentin Helga Rabl-Stadler, Intendant Markus Hinterhäuser und Theaterchef Thomas Oberender stellten am Mittwoch im Haus für Mozart das Programm für 2011 vor. Es gab bei aller Opulenz (185 Aufführungen in 35 Tagen an 14 Spielorten) einige Überraschungen. Denn noch im Sommer hatte Hinterhäuser, der den frühzeitig scheidenden Intendanten Jürgen Flimm ersetzt, von einem Interimsjahr gesprochen, dessen Gestaltung bereits fixiert gewesen sei. Jetzt klang das etwas anders. „Es gab noch Spielraum. Zweieinhalb Opernproduktionen habe ich selbst realisiert.“ Hinterhäuser klärte also in der Pressekonferenz „die Verantwortlichkeiten nach den Turbulenzen der Vorjahre“. Es gab starke Friktionen im Team. Nun aber, nach Filmms Abgang, haben sich seine beiden Kollegen offenbar voll entfaltet. Das Programm hat Strahlkraft.

Im Opernsektor kommen, wie von Flimm avisiert, „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss (Dirigent Thielemann, Regisseur Loy) und die drei Mozart-Opern mit Daponte-Libretti („Don Giovanni“, „Figaro“, „Così“) in Neueinstudierungen von Peter Guth zur Aufführung. Hinterhäuser hat dafür neben den Wiener Philharmonikern auch das Orchestra of the Age of Enlightenment und Les Musiciens du Louvre engagiert. Dirigenten: Nézet-Seguin, Ticciati, Minkowski. Zudem setzt er eine weitere Neuproduktionen auf den Spielplan. Muti und Stein interpretieren Verdis „Macbeth“, Salonen und Marthaler Janáceks „Die Sache Makropulos“ mit Angela Denoke. Anna Netrebko wird in der konzertanten Vorstellung von Tschaikowskis „Iolanta“ die blinde Prinzessin singen. Ergänzt wird diese Doppelvorstellung durch Strawinskys erste Oper „Le Rossignol“ mit Julia Novikova in der Titelpartie.

Handke-Uraufführung

Reichhaltig auch das Theaterprogramm: Die Reihe „Young Directors Project“ geht ins zehnte Jahr. In Hallein gibt es einen Faust-Marathon von Nicolas Stemann. Ergänzt wird dies durch die Reihe „Auf eigene Faust“, u.a. wird Klaus Maria Brandauer lesen. „Die gesamte Produktion auf der Perner-Insel wird mit dem Thalia-Theater Hamburg gemacht“, so Oberender. Dort kommt auch Handkes „Immer noch Sturm“ zur Uraufführung, Regie führt Dimiter Gotscheff. Die zweite Uraufführung kommt von Roland Schimmelpfennig. Sein Auftragswerk „Die vier Himmelsrichtungen“ wird im Salzburger Landestheater gespielt. Dort hat auch Shakespeares „Maß für Maß“ unter der Regie von Thomas Ostermeier Premiere, mit Gert Voss und Lars Eidinger als Stars. Nicht alles wurde allerdings rechtzeitig fertig. Daniel Kehlmanns Stück über den Mathematiker Gödel wird nur gelesen.

Bei den Konzerten stehen die Mahler-Szenen und die Reihe „Der Fünfte Kontinent“ im Zentrum: eine Art Summe der bisherigen „Kontinente“, mit denen Hinterhäuser moderne, zeitgenössische Musik präsentiert hat. Es kommt zu einer Neuaufführung von Luigi Nonos „Prometeo“. Von ihm leitet sich auch das Motto der Festspiele 2011 ab: „Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken.“ Die Wiener Philharmoniker werden fünf Programme gestalten, neben Thielemann und Muti werden auch Jansons, Welser-Möst und Boulez dirigieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2010)

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