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Der Mailänder ´Simon Boccanegra´

Strehlers Bühnenmagier: Ezio Frigerio ist gestorben

Zum Tod von Ezio Frigerio, der allein für die Mailänder Scala 32 Bühnenbilder entworfen hat und 91jährig gestorben ist.

Es liegt dreieinhalb Jahrzehnte zurück, aber, wenn ich ganz persönlich werden darf, die Empfindung ist für mich nach wie vor präsent, wie wenige Theatererlebnisse: Als sich der Vorhang über dem zweiten Bild in Giorgio Strehlers Mailänder "Don Giovanni"-Inszenierung öffnete, vergaß ich aufs Zuhören; obwohl Riccardo Muti dirigierte und eine erlesene Sängerschar auf der Bühne stand. Sevilla im Gegenlicht raubte den Zuschauern den Atem.

Dieser Traum von einer Opernszenerie stammte von Ezio Frigerio, einem der meisterlichsten Bühnenbildner seiner Zeit, der nicht nur von Strehler bevorzugt wurde. 32 Neuinszenierungen hat der Künstler allein für die Mailänder Scala ausgestattet. Wien bekam - als eine Art Leihgabe - 1984 die Dekors und Kostüme für die legendäre Produktion von Verdis "Simon Boccanegra" zu sehen. Da gab es das noch auf dem Theater: Die Freude über die pure Schönheit - hebt sich vor dieser, glaubwürdig inszeniert, eine veritable Tragödie ab, empfinden wir die Aussage eines Dramas noch viel dringlicher. Aber welchem Regisseur, welchem Intendanten wollen wir das heute erklären?

Frigerio wusste um die Ausdruckskraft des Bildes und um die Bedeutung des Wortes Ästhetik. Deren Anspruch hat er nie verletzt, weshalb ihn sensible Theatermacher verehrten und an sich banden, Strehler etwa oder auch Rudolf Nurejew, dessen "Schwanensee"-Choreographie Frigerio in Mailand ausstattete. 

Mit Strehler hat Ezio Frigerio bereits 1955 am Piccolo Teatro in Mailand begonnen. Im selben Jahr entwarf er auch erstmals Kostüme für die Scala, der er dann über Jahrzehnte treu blieb. Zu den Regisseuren, die von Frigerios Geschmack und Subtilität profitierten, gehörten auch Luca Ronconi oder Liliana Cavani, Graham Vick oder Ballett-Größen wie Roland Petit. Mit Rudolf Nurejew verband den großen Theatermann eine tiefe Freundschaft. Für den früh Verstorbenen entwarf Frigerio sogar den Grabstein.

Wie das Teatro alla Scala meldet, ist Ezio Frigerio am 2. Februar 2022 91jährig gestorben.