Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Lawinen-Serie

Fünf Tote und fünf Verletzte nach mehreren Lawinen in Tirol

TIROL: LAWINE IN SOeLDEN
Rettungskräfte auf dem Lawinenkegel am Rettenbachferner in Sölden.APA/ZOOM.TIROL
  • Drucken

In Tirol kam es am Freitag zu 13 Lawinen. Bei einer Lawine an der Grenze zur Schweiz kamen fünf Menschen ums Leben. In Sölden ging eine Lawine auf eine Skipiste ab. Es gab fünf Verletzte.

An der tirolerisch-schweizerischen Grenze in Spiss (Bezirk Landeck) sind am Freitag bei einem Lawinenabgang vier Menschen ums Leben gekommen. Ein weiteres Todesopfer wurde am Freitag Abend bestätigt. Die fünfte Person verstarb noch an der Unfallstelle. Ein weiteres Mitglied der sechsköpfigen Skitourengehergruppe überlebte und wurde ins Krankenhaus in die Schweiz geflogen, hieß es von der Polizei. Nähere Informationen zu Identität und Nationalität der Opfer waren vorerst nicht bekannt.

Zum Einsatzort in Spiss flogen zwei Schweizer Hubschrauber, ein österreichischer Notarzthubschrauber sowie ein Polizeihubschrauber. Das Schneebrett ging bei der Fließer Stieralpe ab und damit im freien Gelände. Wodurch die Lawine ausgelöst worden war, blieb noch unklar. Die Suche durch die Einsatzkräfte war inzwischen abgeschlossen.

Einsatzkräfte suchten am Nachmittag den Lawinenkegel nach möglichen weiteren Verschütteten ab, sagte ein Polizeisprecher. Das Schneebrette ging bei der Fließer Stieralpe ab und damit im freien Gelände.

Fünf Personen lebend geborgen

Ein zweites größeres Lawinenunglück ereignete sich indes am Rettenbachferner in Sölden im Tiroler Ötztal. Dabei ging eine Lawine vom freien Skiraum auf eine Piste ab. Fünf Wintersportler wurden verschüttet und lebend geborgen, hieß es von der Leitstelle. Einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung" zufolge musste eine der geborgenen Personen zunächst reanimiert werden. Die Verletzten wurden in die Klinik nach Murnau in Bayern, in das Krankenhaus Zams, in die Sportklinik in Sölden sowie zu einem Arzt gebracht. Die Identitäten waren auch hier noch unklar und auch in diesem Fall war Freitagnachmittag noch einer weitere Suchaktion im Gange.

Der Chef der Söldener Bergbahn Jakob Falkner erklärte gegenüber der APA, dass das Schneebrett offenbar von den Wintersportlern selbst im Gelände ausgelöst worden sei. Auf der Piste habe sich nach Informationen der Bergbahn sonst niemand befunden. Dies sei aber noch nicht komplett gesichert. Auch seitens der Polizei gab es diesbezüglich noch keine näheren Informationen.

13 Lawinen am Freitag

In Tirol war es am Freitag zu ungewöhnlich vielen Lawinenabgängen gekommen. Bis zum frühen Freitagnachmittag zählte die Leitstelle 13 Lawinen, bei der größtenteils keine Personen zu Schaden gekommen waren. Nach den heftigen Niederschlägen der vergangenen Tage herrschte am Freitag im Bundesland Stufe 3 der fünfteiligen Lawinengefahren-Skala. Bei dieser Stufe passieren gewöhnlich die meisten Lawinenunfälle. Die Lawinenwarndienste in Tirol, Südtirol und Trentino hatten nach dem vielen Neuschnee der vergangenen Tage sowie umfangreichen Triebschneeansammlungen daran appelliert, bei Skitouren Vorsicht walten zu lassen.

Wie heikel die Situation ist, zeigte auch die hohe Anzahl an sogenannten "Negativlawinen" - also Lawinenereignisse, bei denen keine Personen zu Schaden gekommen sind. Seit Donnerstag wurden bis zu 30 derartige Meldungen bei der Leitstelle abgegeben.

„Wütend und enttäuscht“

Der Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair, hat sich angesichts der zahlreichen Lawinenunfälle im Bundesland, von denen jener in Spiss besonders tragisch endete, "wütend und enttäuscht" gezeigt. Man könne nicht mehr tun, als ständig zu appellieren, bei solchen Verhältnissen und bei wenig Erfahrung auf Skitouren zu verzichten. Mair mahnte, die Wintersportler vor allem, sich nicht nur die Gefahrenstufe anzuschauen.

Sie müssten stattdessen auch das "Kleingedruckte" komplett lesen, also den gesamten Text des Lawinenwarndienstes, der eine "Informationspyramide" darstelle. Auf die Frage, ob man nicht die Gefahrenstufe 4, also große Lawinengefahr, länger aufrechterhalten solle, um die Wintersportler zu sensibilisieren, meinte Mair: "Dass wird intern durchaus auch diskutiert. Man darf die Gefahrenstufe aber nicht als Warninstrument missbrauchen". Es gehe um die fachlich exakte Einschätzung der Lage und die daraus resultierende Gefahr. Am Freitag herrschte in Tirol verbreitet Gefahrenstufe 3, also erhebliche Lawinengefahr. Bei dieser Stufe passieren statistisch gesehen die meisten Lawinenunfälle.

Die Menschen müssten erkennen, dass es zu bestimmten Zeiten einfach zu gefährlich ist und keinen Sinn macht, sich abseits der gesicherten Pisten zu bewegen. So schön das Tourengehen auch sei. "Ein bisschen das ganze mit Herz und Verstand betreiben und das Hirn einschalten" - so der Appell des Leiters des Tiroler Lawinenwarndienstes. Am Freitag habe ein "klassisches Klumpenrisiko" bestanden, so Mair. Mehrere Faktoren seien zusammengekommen, die fatale Lawinenunfälle zur Folge haben können. Zum einen viel Neuschnee in den vergangenen Tagen, darüber hinaus stürmischer Wind mit Verfrachtungen als Folge und quasi zu schlechter letzt ein nahendes Wochenende mit prognostiziert gutem Wetter.

>>> Zum Bericht in der Tiroler Tageszeitung

(APA)