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In Deutschland entstand eine Protestbewegung, die Massen mobilisierte. Brokdorf 1977.
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Die Welt bis gestern

Als Atomkraft noch nicht grün war

Vor rund 50 Jahren entstand in Europa die Anti-Atomkraft-Bewegung. Die ersten Demonstrationen gab es – ausgerechnet – beim heutigen Atombefürworter Frankreich.

Der monatelange Streit um ein Nachhaltigkeitssiegel für die Atomkraft ist durch die Pro-Entscheidung der EU-Kommission dieser Tage in eine neue Phase getreten. Geldanleger sollen mit gutem Gewissen in die vermeintlich nachhaltige Energieform investieren können, Frankreich, das daraus 70 Prozent seines Stroms bezieht, hat sein offen ausgesprochenes Ziel erreicht. Inzwischen ist längst in Vergessenheit geraten, dass die ersten europäischen Großdemonstrationen gegen geplante Kernkraftwerke 1971 in Frankreich stattfanden. Hier vermengte sich der aufrührerische Geist der sozialrevolutionären „action directe“ mit bäuerlichem Widerstand, Gegenkulturbewegung mit Regionalismus. So etwas kann in Frankreich jederzeit ausbrechen, wie die Gelbwesten zeigten.

Nahezu an allen Standorten von geplanten französischen Atomkraftwerken bildeten sich Bürgerinitiativen. Sie hatten eine große Bereitschaft zum Handeln, mobilisierten zu Demonstrationen, Kolloquien, Sit-ins, Besetzungen, wiesen aber nur schwache Organisationsstrukturen auf und wurden nur von einer dünnen Schicht der zivilen Gesellschaft getragen.