Der Nudelwalker tut nicht weh

Wie eine Illustration von Gewalt diese lächerlich machen kann.

Frauen schlagen häufiger“, so titelte die „Welt“ einen Beitrag von Gerhard Amendt vom Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Uni Bremen. Er erklärt darin u.a., dass geschiedene Männer „zu 60 Prozent ihre ehemalige Partnerin oder Ehefrau als die allein Schlagende“ nennen. Doch beherrscht wird die Seite vom riesigen Bild eines Gegenstands, der weibliche Gewalt symbolisieren soll: einem Nudelwalker.

Jedenfalls ist es ein Requisit nicht nur fürs Kochen, sondern auch für altväterliche Bilderwitze. Sie zeigen meist einen durch seine rote Nase als betrunken kenntlichen Mann, der die Schuhe in der Hand trägt: Er will auf leisen Sohlen in die Wohnung schleichen, weil ihn das Über-Ich drückt. Dieses findet einen Kompagnon in der Ehefrau, die den Exzedenten mit erhobenem Nudelwalker bedroht. Im Haar hat sie Lockenwickler: Dieses Attribut war in Bilderwitzen bis in die Siebziger häufig, es sollte ausdrücken, dass die Frau sich keine Mühe mehr gibt, auf ihren Mann erotisch zu wirken.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Ein dummer Satz, auch hier stimmt er nicht: Das Bild vom Nudelwalker sagt nicht viel, aber das laut. Es überschreit alle Fakten, die im Artikel stehen mögen. Der Nudelwalker macht Mann und Frau lächerlich: ihn als Pantoffelhelden, sie als Furie. Er ist eine unernste Waffe, keiner denkt sich: Hoffentlich schlägt sie dem Armen keine ernsten Wunden! Es ist kein entsprechendes Requisit denkbar, das männliche Gewalt gegen Frauen zeigt und zugleich verharmlost und belächelt. Vielleicht sagt auch das schon etwas über das Verhältnis von weiblicher zu männlicher Gewalt aus.

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2010)

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