BMW X3: Was lange währt, fährt endlich gut

BMW X3
BMW X3(c) Werk
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In zweiter Generation entspricht der BMW X3 vollinhaltlich seiner Premium-Herkunft: bietet Platz, fühlt sich gut an, fährt sich famos. Billig war er ohnehin nie.

Ein ungnädig straffes Fahrwerk, viel grobes Plastik an Front und Heck, ein für die stattlichen Preise wenig charmantes Cockpit – was Autotester zum ersten X3 von 2004 notierten, kümmerte die Käufer relativ wenig: Das Auto wurde ein größerer Erfolg, als sich BMW das ausgemalt hatte. Es war das richtige Format zum rechten Zeitpunkt, da ließ es sich mit ein paar Schönheitsfehlern gut leben. Einige davon wurden bei der ersten Modellpflege entschärft.

Nichts fürs grobe Gelände

Nach sechs Jahren Bauzeit würde man es bei der zweiten Generation nicht drauf ankommen lassen. Und tatsächlich fuhren wir auf ersten Testkilometern ein in allen Details gereiftes und verbessertes Auto. Äußerlich hat der X3 – breiter, länger als der Vorgänger – mit seinem hohen Anteil an lackierten Flächen und dem keilförmigen Eindruck den Geländewagen endgültig hinter sich gelassen. Den robusten Charakter formen massive Stoßfänger und großzügig ausgeschnittene Radkästen.

Im Inneren finden die feineren BMW-Komponenten zusammen. Im Fall des Automatikgetriebes ziert die hübsche Wählhebelskulptur die Mittelkonsole, seitlich davon, fast schon beim Beifahrerknie, die Steuereinheit für das (optionale) Bordsystem mit iDrive-Kreisel. Mitgift aus dem 5er: das optionale Head-up-Display. Platz, auch im Fond, ist in alle Richtungen gut vorhanden, das Raumgefühl mit der erhöhten Sitzposition ist luftig und behaglich.

Der X3 startet gleich mit dem wichtigsten (und passenden) Motor, dem 2,0-Liter-Diesel mit 184PS und 5,6Liter Normverbrauch. Dassdie Bordanzeige nicht unter zehn Liter rutschen wollte, wollen wir auf den ungestümen Testbetrieb in Tiroler Höhenlagen zurückführen: In der 5er-Limousine ist der Motor kaum über 7,5Liter/100km zu treiben.

Automatik ist nicht nur grundsätzlich, sondern im speziellen Fall dringend zu empfehlen: geschmeidig, mit acht Gängen immer im richtigen Fenster, start-stopp-tauglich und damit sogar ein Beitrag zum Spritsparen.

Der X3 lässt sich mit fast allen weiteren Oberklasse-Features aufrüsten. Das Fahrverhalten mit seiner sehr ausgewogenen Federung kann man optional per „Dynamik-Control“ beeinflussen; im sportlichen Trimm reagieren Dämpfer, Lenkung, Automatik und Gaspedal spontaner – kein Muss im täglichen Betrieb, der X3 fährt auch so brav um die Kurve. Selbst wenn man das Auto vornehmlich auf Straßen sieht, Kletterübungen meistert er mit Tapferkeit. Die ist auch beim Gang durch die Aufpreisliste geboten, mit komplett zu nennender Ausstattung ist man bald bei 60.000 Euro angelangt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2010)

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