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Gewinnsprung

Telekom Austria steigerte Gewinn 2021 um 17 Prozent auf 455 Mio. Euro

Archibild aus der Telekom-Austria-Zentrale.
Archibild aus der Telekom-Austria-Zentrale.REUTERS
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Die Umsatzerlöse stiegen um 4,4 Prozent, das EBITDA vor Restrukturierungskosten um 7,8 Prozent.

Die teilstaatliche börsennotierte Telekom Austria hat 2021 wie erwartet einen kräftigen Gewinnsprung geschafft: Bei einem Umsatzplus von 4,4 Prozent auf 4,748 Mrd. Euro stieg das Nettoergebnis um 17 Prozent auf 455 Mio. Euro, wie der Mobilfunkkonzern am Dienstagabend bekannt gab. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) und Restrukturierungskosten stieg um 7,8 Prozent auf 1,79 Mrd. Euro, mit Wachstum insbesondere in Österreich und Bulgarien.

"Das EBITDA vor Restrukturierung ist für uns die wichtigste Erlöskennzahl", sagte CEO Thomas Arnoldner am Dienstagabend zur APA. Die Erlöse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen hätten die größte Aussagekraft über die operative Ertragskraft des Unternehmens.

"Mit diesen Wachstumsraten haben wir wieder einmal bewiesen, dass wir eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen im europäischen Telekomsektor sind. Das Ergebnis ist ein Rekordergebnis - wir hatten in der letzten Dekade niemals einen so hohen Umsatz, niemals so ein hohes EBITDA, niemals so hohe Wachstumsraten, und haben jetzt das 16. Quartal in Folge ein operatives EBITDA-Wachstum." Die EBITDA-Marge sei auf 36 Prozentpunkte gesteigert worden - gelungen sei das u.a. durch Fortschritte bei der Digitalisierung und Automatisierung von Tätigkeiten, durch neue Verträge mit Lieferanten und eine Senkung der Wartungskosten in Netzen.

Die Mobilfunkerlöse stiegen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 5,7 Prozent auf knapp 2,82 Mrd. Euro, die Festnetzerlöse legten um 2,8 Prozent auf 1,85 Mrd. Euro zu. Die Serviceumsätze im Mobilfunk stiegen 2021 um 5,3 Prozent, jene im Festnetz um 2,4 Prozent.

Im 4. Quartal stieg der Umsatz im Jahresabstand um 4,7 Prozent auf 1,242 Mrd. Euro, das EBITDA vor Restrukturierung legte um 8,8 Prozent auf 421 Mio. Euro zu.

Nachfrage bei „höherwertigen Vertragsverhältnissen"

Das Ergebnis reflektiere vor allem die starke Nachfrage nach hohen Bandbreiten, vor allem im Mobilfunk, "hier vor allem bei höherwertigen Vertragsverhältnissen", sagte Arnoldner. "Aber auch das Festnetzgeschäft profitiert von der starken Nachfrage nach hohen Bandbreiten. Und wir sehen auch eine sehr hohe Nachfrage nach ICT-Lösungen von Geschäftskunden, beispielsweise im Rechenzentrumsbereich oder im Cyber-Security-Bereich."

Im vergangenen Jahr habe man allein in Österreich rund 500 Mio. Euro investiert und werde diese Investitionen heuer auf ungefähr 600 Mio. Euro erhöhen, insbesondere der Glasfaserausbau soll forciert werden.

2021 erwarb die Telekom Austria Frequenzen in Bulgarien, Kroatien und Slowenien und will heuer den 5G-Rollout in Österreich und diesen drei Ländern fortsetzen. "Wir erreichen heute ca. 60 Prozent der Bevölkerung in Österreich mit unserem 5G-Netz", sagte Arnoldner. "Wir haben damit das deutlich größte 5G-Netz im Land, das im Übrigen auf dem mit Abstand größten Glasfasernetz in Österreich aufbaut."

Weniger Anbieter sorgen für Hälfte des Datenverkehrs

Der enorme Datenzuwachs entstehe fast zur Gänze durch den Zuwachs an Bewegtbildern, sagte der Telekom-Austria-Chef. "Es gibt Schätzungen, dass ca. 50 Prozent des Datenverkehrs von vier, fünf großen Anbietern verursacht werden." Diese würden sich aber an den Kosten für den dafür notwendigen Ausbau der Netze nicht beteiligen. "Ich denke, es ist eine Aufgabe der Regulatoren sich zu überlegen, wie man hier für ausgeglichenere Bedingungen sorgen kann."

Sorgen bereitet der Telekom Austria die Tochter A1 Belarus in Weißrussland, deren Pressesprecher Nikolaj Bredelew schon vor etlichen Wochen festgenommen wurde. Ihm wird von Vertretern des Regimes von Alexander Lukaschenko die Weitergabe von Daten vorgeworfen. Wo er sich jetzt befindet und wie es ihm geht, ist unklar. Arnoldner äußert sich dazu nur vorsichtig, er will kein Öl ins Feuer gießen. "Es gibt zu dieser Situation keine Neuigkeiten, die ich Ihnen mitteilen kann. Es gab vor einigen Wochen eine starke Eskalation, ich denke, wir haben zu dem Thema alles gesagt, was dazu zu sagen ist. Unser wirklich größtes Anliegen sind die Situation und die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, aber natürlich auch, dass wir unseren Kundinnen und Kunden ein möglichst gutes Service bieten wollen." Unterdessen setzten regimenahe Propagandisten ihre öffentliche Kampagne gegen A1 Belarus fort und riefen die Bevölkerung dazu auf, Verträge mit A1 zu kündigen.

Das Geschäft in Weißrussland trage etwa ein Zehntel zum Ergebnis bei. "Belarus ist für uns ein wichtiger Markt, wir agieren dort seit vielen Jahren sehr erfolgreich." Ein Rückzug aus dem Land sei kein Thema. "Wir stehen zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zu unseren lokalen 'Operations' vor Ort."

Die Pandemie-Situation bleibe weiterhin eine große Herausforderung für die Telekom Austria, sagte der CEO. Die noch immer sehr reduzierte Reisetätigkeit schlage sich in den Roaming-Ergebnissen nieder, die weit unter dem Vorkrisenniveau liegen würden. "Das gibt uns aber natürlich die Möglichkeit, hier wieder zu wachsen - wahrscheinlich nicht auf das Vorkrisenniveau, aber doch vom niedrigen Niveau 2020 und 2021 nach oben." Für heuer erwartet Arnoldner knapp 3 Prozent Umsatzplus und eine weitere Ausweitung der EBITDA-Marge. Auch das Mobilfunkgeschäft soll weiter stark wachsen.

(APA)