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Türkischer Botschafter: Beziehungen sind "wundervoll"

Botschafter Tezcan
Der türkische Botschafter Kadri Ecvet Tezcan(c) APA/HERBERT NEUBAUER (Herbert Neubauer)
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Der umstrittene Diplomat Tezcan lobt bei einem Empfang die Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei.

Heimspiel für den türkischen Botschafter: Bei einer Festveranstaltung österreichisch-türkischer Unternehmer ist Kadri Ecvet Tezcan am Donnerstagabend mit begeisterten Ovationen begrüßt worden. Der umstrittene Rundumschlag des Diplomaten war bei dem Empfang in der türkischen Botschaft in aller Munde, nur der Hausherr selbst ging nicht auf den von ihm ausgelösten Eklat ein und lobte vielmehr die "wundervollen" bilateralen Beziehungen zwischen Wien und Ankara.

Nachdem Tezcan in einem Zeitungsinterview die angebliche Türkenfeindlichkeit der Österreicher angeprangert und VP-Innenministerin Maria Fekter frontal angegriffen hatte, streute er diesmal einer anderen ÖVP-Politikerin Rosen. Die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank, die am Fest zum 15. Bestandsjubiläum des "Verbands österreichischer und türkischer Unternehmer und Industrieller" (ATIS) teilnahm, "ist eine der am besten angezogenen Frauen in Wien".

Beziehungen "wundervoll"

Tezcan, der am gestrigen Mittwoch wegen seiner unverblümten Äußerungen ins Wiener Außenamt zitiert wurde, äußerte sich zudem neuerlich "undiplomatisch - aber nett". So würdigte er die Rolle der Frauen für die Gesellschaft, "ohne die wir Männer immer noch in Höhlen hausen würden", ohne die es keinen Handel gäbe, der wiederum zum Abbau von Grenzen und letztlich zum Frieden führe.

"Die Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich sind wundervoll", sagte Tezcan mit Blick auf die wirtschaftlichen und kulturellen Bande zwischen den beiden Staaten. Er verwies auf den dynamisch wachsenden Handel und die Tatsache, dass Österreich mittlerweile der fünftgrößte ausländische Investor in der Türkei ist. Der Diplomat pochte zugleich auf die Zusagen der EU gegenüber der Türkei. Zwar sei man sich in Ankara bewusst, dass es bis zum Beitritt noch dauern werde "und dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen". Die Türkei wolle nach den Regeln der EU spielen. "Doch worum wir höflich bitten, ist, nicht während des Prozesses die Regeln zu ändern."

Swoboda: "Der Weg ist das Ziel"

Europaabgeordneter Hannes Swoboda (SPÖ) verteidigte dagegen die Linie der EU gegenüber der Türkei und verlangte eine Erfüllung der Beitrittskriterien. Statt in der Beitrittsfrage "wie das Kaninchen vor der Schlange" zu stehen, sollten beide Seiten an ihren politischen und wirtschaftlichen Beziehungen arbeiten. "Oft ist der Weg das Ziel", sagte der EU-Abgeordnete. "Der Beitritt wird noch eine Zeit dauern, aber sie sind schon beigetreten, sie sind herzlich willkommen in diesem Land", sagte er den versammelten türkischstämmigen Unternehmern.

Zum umstrittenen Interview Tezcans meinte der SPÖ-Politiker, er stimme manchen Thesen zu, "anderen nicht". "Entscheidend ist, dass man diese Provokation positiv sieht und schauen kann, dass wir die Dinge, die fehlgelaufen sind, verbessern", sagte der frühere Wiener Stadtrat. Schließlich sei man sich bezüglich der Integration "in vielen Dingen einig". Nun gehe es darum, auch entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Anders als früher - etwa beim Zuzug tschechischer Arbeiter ins Wien der Jahrhundertwende - verlaufe die Integration heute nämlich nicht mehr "automatisch", "daher müssen wir in den nächsten Jahren mehr tun".

Auch die Grüne Politikerin Alev Korun äußerte die Hoffnung, dass das Interview des Botschafters den Anstoß zu einer "positiven und konstruktiven Diskussion" über die Integration bilden werde. Daher haben die Grünen den türkischen Diplomaten zu einem Publikumsgespräch ins Parlament geladen. Während ATIS-Vorstand Edip Bayizitlioglu dem Botschafter für seine "kritischen und erhellenden Worte" dankte, die "weite Kreise zum Nachdenken veranlasst" hätten, ging Jank nicht direkt auf die Kontroverse ein. Allerdings unterstrich sie, dass Wien "immer ein Schmelztiegel von vielen Nationen" gewesen sei und lobte die Rolle der 3000 türkischen Klein- und Mittelbetriebe in der Stadt, "die in Wien in vielen Bereichen eine wirtschaftliche Stellung eingenommen haben, wo sich andere zurückgezogen haben".

(APA)