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Liebesbriefe und Gadgets

Ramsch und Liebesbriefe zum Valentinstag

Liebe Worte auf Papier gebannt bereiten Freude.
Liebe Worte auf Papier gebannt bereiten Freude.(c) 2020 Getty Images
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Zum Valentinstag gibt es mittlerweile Produkte en masse. Für eine kleine Freude braucht's dabei ja gar nicht viel, außer Stift, Papier und liebe Worte.

Es ist der Tag der diktierten Romantik. Der graue Einheitsbrei der kalten Monate weicht pink-roten Plüsch und Ramsch. Zurecht halten manche den Valentinstag für überflüssigen Konsumrausch, andere wiederum freuen sich ihrer Verliebtheit Ausdruck zu verleihen. Fest steht, trotz Kritik scheuen es große und kleine Labels nicht, kreativ zu werden und im Namen der Liebe Produkte oder gar ganze Kollektionen zu launchen. Seit Mitte der Woche gibt es etwa eine - natürlich von der Liebe inspirierte - Kapselkollektion von Ivy Park, Beyoncés Sportswear-Label, und Adidas. Liebe steht hier selbstverständlich für einen weiten Begriff, weshalb die Stücke der Kollektion auch unisex und inklusiv, also in vielen Größen erhältlich, sind. Passend zur Liebes-Hommage heißt die rot-pinke Kleidersammlung „Ivy Heart“.

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Auch die Luxushäuser, darunter Balenciaga, Gucci und Dior, ließen ihren romantischen Fantasien freien Lauf und geben zum Valentinstag alles. Bei Balenciaga sieht das - in der typischen Gen-Z-Optik, heißt, die Teile könnten auch bei Urban Outfitters aufliegen - folgendermaßen aus: Großflächig gebatikt, stechend pink und schnörkelig beschriftet mit „Would you be my Valentine?“, dem englischen Äquivalent zu „Willst du mit mir gehen?“. 

Balenciaga

Auch Gucci erzählt seine ganz eigene „Love Story“. Die diesjährige Valentinstagskollektion ist an einer Liebesgeschichte angelehnt, die in Zusammenarbeit mit der in Los Angeles lebenden Künstlerin Ariana Papademetropoulos entstand. Grafische Liebesbotschaften zieren etwa herzförmige Taschen in Origami-Optik, genauso wie Tücher, Gürtel und Sneaker.

Natürlich bleibt auch der Magen am Tag der Liebe nicht verschont. Die beiden Wiener Schwester von „The Lala“ bieten Liebeskugeln an. Sie schmecken süß, sind vegan und zum Verzehr geeignet. Tony's Chocolonely hat sich etwas für alle Last-Minute-Geschenkbesorgenden ausgedacht. Die Tafel Schokolade gibt es wie gewohnt im Supermarkt, die Banderole als PDF zum Ausdrucken daheim. Einmal um die Schokolade gewickelt und zugeklebt, kann man auch gleich zu grübeln beginnen, welches Label für das Herzblatt denn nun am besten passt.

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Für jene, die vom Konsum und der verordneten Romantik so gar nichts halten, kommt vielleicht ein kleines Shareable infrage, also ein Social-Media-Post oder eine Lied-URL mit Message inklusive. „Love is in the air“ von John Paul Young würde sich hier gut anbieten oder für Deutschrock-Begeisterte etwa „Mach die Augen zu und küss mich“ von den Ärtzen, ein Klassiker wäre auch „L-O-V-E“ von Nat King Cole. Wer sich zusammen mit seinem Herzblatt über den Tag der Liebe auslassen will, sorgt mit diesem Comic der Wienerin Stefanie Sargnagel bestimmt für Schmunzler.

 

Man sieht, Liebesbotschaften gehen heutzutage schnell von der Hand: Die Whatsapp-Nachricht, die DM auf Instagram sind eben schnell geschrieben. Dabei braucht es für eine größere Geste nur wenig mehr.

Liebesbotschaften heute und damals

Papier, Füllfeder und schlechte Reime, die Zutaten für einen waschechten Liebesbrief wie früher, finden nur noch selten Verwendung. Schade, denn der Liebesbrief bringt eine jahrhundertelange Geschichte mit sich, die auch einem heutigen Versuch, liebe Gedanken auf adressiertes Papier zu bannen, ordentlich an Bedeutung verleiht. Das Medium Brief erlebte seinen Höhepunkt ab dem 15. Jahrhundert bis hinein ins frühe 20. Jahrhundert. Seine Verbreitung hing auch mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen: der Verfügbarkeit von Papier, der Alphabetisierung der breiten Bevölkerung und dem Aufkommen des modernen Postwesens. Früher wurden insbesondere in Briefen zwischen Paaren auch Alltagsdinge thematisiert – mit der Verbreitung des Telefons nahm die Häufigkeit von Liebesbriefen schließlich ab.

Heute schaut die Kommunikation von Verliebten ganz anders aus. Der Liebesbrief ist trotzdem noch nicht ausgestorben. Erst letzten Sommer verschrieb sich ein italienisches Festival ganz der Rettung der schriftlichen Liebesschwüre. Außerdem hat das Medium Liebesbrief auch literarische Spuren hinterlassen, die (verliebte) Leserinnen und Leser bis heute in ihren Bann ziehen.

Literaturtipps

„Liebe schreiben. Paarkorrespondenzen im Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts“ Ingrid Bauer, Christa Hämmerle, V&R, 359 Seiten

„Briefe an Milena“ Franz Kafka, Fischer, 423 Seiten

„Herzzeit. Briefwechsel.“ Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Suhrkamp, 399 Seiten

Feder und Papier für Seele und Herz

Geht's ums Vermitteln von Gefühlen, dann ist die analoge Form der Kommunikation nicht zu verachten, weiß die Papeterie-Inhaberin Sonja Völker: „Gerade zu Anlässen wie einem Geburtstag, Muttertag oder eben dem Valentinstag hinterlassen schöne Worte auf schönem Papier mehr Spuren als eine Whatsapp-Nachricht.“ Im Gegensatz zur flüchtigen Alltagskommunikation hafte dem Papier etwas Dauerhaftes an: „Packe ich heute meine Schachtel mit 35 Jahre alten Liebesbriefen aus, dann freue ich mich einfach, dass ich das aufbewahrt habe. Das hat einfach eine ganz andere Qualität als etwa ein E-Mail.“

Achtet man beim Schreiben nicht nur auf den Inhalt der Worte, sondern auch auf die Qualität von Stift und Papier, bereite man obendrein nicht nur dem Empfänger der Zeilen eine Freude, sondern auch sich selbst: „Ein Brief auf Kopierpapier mit einem Werbekuli geschrieben, bereitet lange nicht das gleiche Gefühl, wie ein schönes Papier und eine Füllfeder, die mich vielleicht schon Jahre begleitet. Da besinnt man sich auch anders auf die Worte und tut sich in Seele, Brust und Herz etwas Gutes.“ 

Briefpapier

Herzilein Papeterie. Concept Store rund um Papier- und Lederwaren.  In der Wiener Innenstadt auf der Wollzeile 18, Am Hof 5 und auf der Währingerstraße 91. Zur Website

Blanche. Nachhaltiges Papierlabel für Post- Grußkarten aus heimischer Produktion. Zur Website

Miller Büro- und Schreibkultur. Alles fürs Briefeschreiben wie früher. Mariahilfer Straße 93, 1060 Wien. Zur Website