Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Nachruf

Autor Gerhard Roth verstorben: "Fremd zieh ich wieder aus"

Gerhard Roth (1942–2022).Clemens Fabry
  • Drucken

Er war ein großflächiger Erzähler – und ein „leiser“ Schriftsteller, der durch sein Werk, nicht durch Statements sprechen wollte: Zum Tod von Gerhard Roth, der am Dienstag 79-jährig in seiner Geburtsstadt Graz gestorben ist.

Als sich in den Siebzigerjahren des „vergangenen Jahrhunderts die Aufmerksamkeit für die österreichische Literatur auf die nachwachsende, im oder nach dem Zweiten Weltkrieg geborene Generation und zugleich von Wien nach Graz verschob, zählte Gerhard Roth von Anfang an neben Helmut Eisendle, Barbara Frischmuth, Michael Scharang, Wolfgang Bauer, Gunter Falk, Klaus Hoffer, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Reinhard P. Gruber zu den Talenten, von denen man sich eine bemerkenswerte Zukunft erhoffte. Wie viele aus seinem Umfeld begann er im Schatten der Wiener Gruppe mit einer sprachorientierten, dem Experiment eher als einem als konservativ geltenden Narrativ verpflichteten Literatur. „die autobiographie des albert einstein“ des damals dreißigjährigen Autors, bezeichnenderweise auf Großbuchstaben verzichtend, weist in diese Richtung.

Der Weg in die Schriftstellerexistenz war dem 1942 in Graz geborenen Sohn eines Arztes und einer Krankenschwester nicht unbedingt vorgezeichnet. Er studierte Medizin, brach das Studium aber ab und arbeitete, wie der sieben Jahre ältere Oswald Wiener, auf dem Gebiet der Datenverarbeitung. Beides, das Interesse für die Medizin wie für die Elektronik, hat in Roths späterem Werk Spuren hinterlassen.