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Konzertkritik

Seiler & Speer: Austropop, gut vergeigt

KONZERT 'RED BULL SYMPHONIC' - SEILER & SPEER X CHRISTIAN KOLONOVITS & ORCHESTER
Leger und lässig wie gewohnt: die Herren Christopher Seiler und Bernhard Speer. Dahinter: Christian Kolonovits und das Max Steiner Orchester.APA/GEORG HOCHMUTH
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„Red Bull Symphonic“? Das Signet ließ einiges befürchten. Doch die Kombination aus Seiler & Speer, Orchester und Chor klang im Wiener Konzerthaus letztlich gar nicht schlecht.

Wird es tatsächlich zum doppelten Genuss, wenn man Schnitzel oder Leberkäse in aufgeschnittene Krapfen zwängt? Oder ist das einfach ein Jux der Lebensmittelindustrie zur Faschingszeit? Umgelegt auf „Red Bull Symphonic“ darf man fragen: Macht es Sinn, Pop und Klassik zu mischen? Und: Hat der Getränkekonzern bewusst die fünfte Jahreszeit abgewartet, um das Projekt zu lancieren? Nein, es gab bereits sommerliche Ausgaben mit der kosovarischen Deutschrapperin Loredana und dem Drum'n'Bass-Duo Camo & Krooked.

Die Herren vom Fuschlsee meinen es ernst. So war es jetzt an Seiler und Speer, dem rauen Duo aus dem NÖ-Industrieviertel, sich auf dieses glatte Terrain zu wagen. Sie mussten es dulden, dass Arrangeur Christian Kolonovits ihren selbstbewusst zelebrierten Proletencharme anzuckerte. Der hat bekanntlich schon so manche ungestüme Emotion in der ersten Phase des Austropop mit Streicherschmalz eingeebnet. Was so manchem Kritiker als eine Art Verbrechen im Sinne der Loos-Streitschrift „Ornament und Verbrechen“ galt. Entsprechend äußerten sich im Vorfeld des Events einige langdienende Popfreunde auf Facebook. Graue Pop-Panther, die alle Irrungen des Symphonic Rock schon in den Siebzigerjahren für überwunden glaubten, sie erleben nun ein bitteres Flashback. Dabei hat das Orschestrion (O-Ton Helmut Qualtinger) in manchen Sparten des Pop durchaus willkommene Klänge erzeugt. Unvergessen sind etwa Wally Stotts dramatische Arrangements in Soctt Walkers existenzialistischen Chansons der späten Sechzigerjahre. Bands wie Procol Harum, Electric Light Orchestra und Emerson Lake & Palmer, die sich forsch an Klassikmotiven bedienten, wurde sogar ein gewisses Gütesiegel zuerkannt. Dieses vertrug sich allerdings nicht mit dem sich ab 1977 manifestierenden Zeitgeist von Punk und New Wave. Der stellte sich letztlich als kurzlebig heraus. Trotzig erfreuen sich Formationen wie das Electric Light Orchestra und Procol Harum erneuter Beliebtheit. Und auch der vielgeschmähte Sound des Christian Kolonovits erfährt derzeit unerwartete Aufwertung.