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"Stop gift-wrapping women"

Die große Geste der Haute Couture

Wie jede Saison stellte sich auch zuletzt wieder die Frage nach Sinn und Zweck der Haute Couture: Soll sie unterhalten, einfach schön sein oder doch auch alltagstauglich? Die Antworten variierten.

„Stop gift-wrapping women“, schreibt eine Insta­gram-Userin in einer privaten Message, als sie die Gegenüberstellung zweier Haute-Couture-Looks von Valentino und Elie Saab gesehen hat, die vor lauter Mascherln und Aufputz in der Tat an ein Geburtstagsgeschenk erinnern könnten. Und auf eine kleine Umfrage, die Kollektion der Niederländer Viktor & Rolf betreffend, ob es sich um einen ernsthaften Beitrag zum Modeschaffen oder primär um Werbung für ihre Parfums (eine Lizenz von L’Oréal, Alltagsmode machen die beiden seit Langem nicht mehr) handle, tippen fast drei Viertel der Mitstimmenden auf Letzteres. Alltagstaugliches freilich darf man sich von der Haute Couture, die in Paris von einer Handvoll Maisons im Jänner und im Juli gezeigt wird, ohnehin im Regelfall nicht erwarten.

Illustrationen: Spencer Chalk-Levy

Waren die von Hand genähten und sündteuer an eine ausgesuchte Klientel verkauften (Teil-)Unikate bis zum Aufkommen der Konfektionsmode von Luxusmarken noch deren hauptsächliches Geschäft, ist die Haute Couture mittlerweile längst in die höchsten Sphären emporgedriftet und darf sich somit Geschenkpackerlallüren zumindest ansatzweise leisten. Während (und vielleicht doch auch bald schon nach) einer Pandemie stellt sich für diese kaum erschwingliche Anlassbekleidung freilich mehr denn je die Frage, welche Berechtigung sie im Modesystem haben darf: Soll es sich um die kreativsten, extravagantesten Schöpfungen der Designer handeln, die primär für rote Teppiche und Superstars gemacht sind, wie es nicht nur Viktor & Rolf nahelegen, sondern etwa auch Daniel Roseberry bei Schiaparelli oder der Pariser Shootingstar Charles de Vilmorin mit seiner „Danse macabre“-Kollektion?