Vorreiter Rolle: Bernadette Larcher sieht "grün"

Wo Jute und Müsli verboten sind: „Eco“-Beraterin Bernadette Larcher entwirft grüne Strategien für die Luxusbranche.

Wenn Luxuskonzerne wie die Gucci-Group nachhaltiges Denken fördern wollen, kann das schon bedeuten, dass eine ganze Kolonne an Mitarbeitern drei Tage lang mit dem Rad von Paris nach London fährt. So passiert diesen Sommer. Mittendrin: die Tirolerin Bernadette Larcher. Auch wenn diese Erfahrung an gewissen Stellen ganz schön schmerzhaft war, versichert sie im selben Atemzug, dass „Grün“ und „Öko“ längst nichts mit Schmerz, Verzicht oder Zwang zu tun hätten. Die Müsli-Ära ist vorbei. Die Zeit, in der die Luxusbranche auf das Thema aufspringt, bricht an. Für die ehemalige Konzernsprecherin von Swarovski der richtige Moment, sich als „Eco“-Beraterin selbstständig zu machen. Uns erzählt sie, warum Transparenz auch großen Modelabels nicht schaden würde und inwiefern ökosensible Hollywood-Stars wichtig sind.


Bei Öko denkt man an Jute, bei Luxus an Verschwendung. Wie verträgt sich das?
Genauso wie Luxusunternehmen seit jeher den höchs-ten Anspruch an Ästhetik, Kreativität und Design hegen, sind sie ebenso bestrebt, beste Qualität zu liefern und neue Maßstäbe zu setzen. Das gilt auch für ihre unternehmerische Verantwortung gegenüber Umwelt, Mitarbeitern und Gesellschaft. Gerade Luxusunternehmen investieren besonders in die Erforschung neuer umweltfreundlicher Technologien und den Einsatz neuer nachhaltiger Materialien. Sie produzieren vorwiegend in
Europa, wo höhere Sozialstandards um einiges wahrscheinlicher sind, außerdem ist die Produktion sehr oft mit traditioneller Handwerkskunst verbunden.

Werden Produkte durch nachhaltige Produktion automatisch teurer?
Natürlich ist die Erforschung neuer Materialien oder die Implementierung sozialer Standards besonders am
Beginn kostenintensiv. Langfristig können durch nachhaltiges Management auch Kosten eingespart werden.

Wie können Luxusmarken die Handlungsweise der Konsumenten beeinflussen?
Luxusunternehmen setzen Trends und schaffen Aufmerksamkeit. Sie haben somit auch die Möglichkeit, die allgemeine Begehrlichkeit nach nachhaltigen Produkten zu steigern und können Konsumenten zu einer nachhaltigeren Lebensweise motivieren. Wichtig ist auch die Langlebigkeit – gerade Luxusprodukte werden oft noch an die nächste Generation vererbt. Das spart Rohstoffe und ist umweltfreundlich.

„Reduce, reuse, recycle“ predigen die Öko-Vorreiter. Mit der Langlebigkeit fördern High-End-Marken also zumindest das Reduzieren und mehrmalige Verwenden.
Es ist doch nachhaltiger, bessere Qualität teurer zu kaufen, dafür aber weniger davon. Braucht man tatsächlich 30 T-Shirts im Schrank, wenn man ohnehin nur zehn trägt? Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass bei einem Kaufpreis von weniger als sieben Euro pro Shirt hohe Sozialstandards eingehalten werden können.

Warum ist Nachhaltigkeit für Weltmarken so ein
großes Thema?
Die meisten haben mittlerweile erkannt, dass Corporate Social Responsibility (CSR) keine Kür ist, sondern schlichtweg eine Pflicht. Ignorieren sie es, werden sie bald ein ernsthaftes Reputationsproblem haben. Aber es gibt sicherlich Marken, die hinterherhinken.

Große Labels starten also nur aus Angst vor der schlechten Nachrede Projekte in Sachen Nachhaltigkeit?
Studien zeigen, dass Unternehmen, die sich durch grüne Initiativen auszeichnen, zwar heute noch nicht mehr Umsatz machen. Allerdings können ökologische oder soziale Missstände ein lange aufgebautes Image binnen Sekunden substanziell beschädigen. Das kann schwere finanzielle Einbußen zur Folge haben. Unternehmen wissen auch, dass Nachhaltigkeit mehr als eine kurzweilige Trenderscheinung ist.

Was macht Sie so sicher, dass „Green“ mehr ist als ein Trend?
Internationale Trendforscher sind sich einig, dass das CSR-Thema auch nach dem momentanen Hype nicht abnehmen wird. Ein nachhaltiger Lebensstil entspricht dem Zeitgeist. Ein neues, vor allem urbanes Lebens-
gefühl, das sich stark von der oftmals belächelten
„Birkenstock- und Müsli-Kultur“ der 90er-Jahre abhebt. Menschen empfinden eine sozial und ökologisch bewusste Lebensweise nicht mehr als Verzicht, sondern genießen es, auf lokalen Biomärkten einzukaufen, hybrid zu fahren oder Urlaube in einem Eco-Resort zu verbringen. Hollywood-Stars wie Leonardo di Caprio, Julia Roberts, Cameron Diaz oder George Clooney leben es vor und haben dazu beigetragen, dass ein nachhaltiger Lebensstil als begehrenswert empfunden wird.

Wie groß ist das Problem von Greenwashing?
Das wird heute viel schneller durchschaut. Durch
Social-Media-Kanäle haben Menschen die Möglichkeit, unethisches Verhalten sofort aufzuzeigen und publik zu machen, was sie auch tun. So wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger und riskanter, Greenwashing zu betreiben. Ernsthaftigkeit und Transparenz sind die einzigen CSR-Erfolgsrezepte für die Zukunft.

Transparenz ist nicht gerade die große Stärke der Luxusbranche . . .
Luxusunternehmen gehen traditionell gegenüber der Öffentlichkeit spärlich mit Informationen um. Sie sind aufgrund der aktuellen Entwicklungen gezwungen, ihre Kommunikationsstrategie entsprechend zu verändern, indem sie sich mehr öffnen.

Welche Nachhaltigkeitsprojekte würden Sie persönlich als sinnvoll bezeichnen?
Da gibt es einige. Die Initiativen von Tiffany im Bereich der Diamanten- und Goldgewinnung haben mich sehr beeindruckt. Nachhaltigkeit in diesem Bereich ist unheimlich schwer realisierbar. Außerdem fand ich das Filmprojekt „Home“ der Gucci-Group großartig. Ein Film, der Menschen mit atemberaubenden Bildern über die globalen ökologischen Herausforderungen aufklärt. Persönlich hänge ich sehr an der Swarovski Water School, deren Standorte ich selbst ein paar Mal besucht habe. Eine Initiative in Österreich, China, Indien und Uganda, die junge Menschen über die Wichtigkeit der Nachhaltigkeit im Umgang mit Wasser sensibilisieren will

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