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Streamingtipps

Kurz mal Zeit? Mikro-Serien für zwischendurch

Nein, sie sind nicht die Zukunft der Unterhaltung, aber es gibt sie, die Serien, deren Folgen nur ein paar Minuten lang sind. Und die man schnell mal im Wartezimmer genießen kann – oder auch in Ruhe am Stück verschlingen.

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Happiness

Bittersüßes iranisches Roadmovie
Zu sehen in der Arte-Mediathek (arte.tv)

Die Aufmerksamkeitsspanne des modernen Medienkonsumenten hat keine gute Nachred': Kurz soll sie sein, immer kürzer werden, maulen Kulturpessimisten. Woraufhin gern Produkte zur Zukunft der Unterhaltung erklärt werden, die sich durch Kürze auszeichnen. Eingetreten ist die Dominanz der Schnipsel-Filmkultur nie: Die Macher der App Quibi, die häppchenweise unser Streaming-Verhalten revolutionieren wollten, haben 2020 spektakulär mehr als eine Milliarde Dollar in den Sand gesetzt; auch auf Youtube sind Webserien zu einem Randphänomen geworden). Aber verschwunden sind sie auch nicht, die Kürzest-Serien, deren Folgen nur ein paar Minuten dauern – und die manchmal so toll sind, dass man sie sich erst alle am Stück ansehen will.
So wie die 15 Kurzkapitel von „Happiness“, zu sehen in der Arte-Mediathek: Der iranische Regisseur Pouria Takavar erzählt in wunderschönen sandigen Bildern, wie die 17-jährige Teheranerin Shadi gemeinsam mit einem freundlichen Dealer zur tausend Kilometer entfernten Insel Kisch fahren will, um ihren Vater zu sehen, bevor sie mit ihrer Mutter nach Paris auswandert. Eine bittersüße Coming-of-Age-Geschichte – und ein Landespanorama zwischen Optimismus und Melancholie.

El tiempo que te doy

Spanische Trennungsgeschichte
Zu sehen auf Netflix

Elf Minuten dauert jede Folge dieser von Nadia de Santiago kreierten Erzählung einer gescheiterten Beziehung – und um je eine Minute verschiebt sich pro Folge das Verhältnis zwischen Gegenwart und Rückblende. Langsam lernt die Krankenschwester Lina, wieder mehr im Jetzt zu leben, als in Erinnerungen an den Tauchlehrer Nico zu schwelgen. Dabei möchte man gerade von der (schmerzhaften) Romanze mehr sehen . . .

Takki

Die Jugend von Saudiarabien
Zu sehen auf Netflix

„Vergesst nicht, mich zu abonnieren!“, sagt Bayan selbstbewusst in die Kamera. Die junge Saudi ist dabei, sich – gegen den Widerstand ihrer Eltern, ihres Verlobten und dessen Eltern – eine Karriere als Meinungsmacherin auf Youtube aufzubauen. Ebendort sammelte die Serie „Takki“ von Mohammad Makki, in der sich das abspielt, schnell eine große Gefolgschaft (nachdem kein saudischer Fernsehsender sie senden wollte). Mittlerweile hat Netflix die Serie übernommen, eine dritte Staffel produziert und die ursprünglichen beiden mit Untertiteln versehen.
Mit wackliger Handkamera gedreht in der vergleichsweise liberalen Hafenstadt Dschidda, erzählt „Takki“ von den Alltagskomplikationen junger Menschen in einer strikten Gesellschaft. Da ist Malek, ein aufstrebender Filmemacher in einem Land, in dem Kinos (zum damaligen Zeitpunkt noch) verboten sind. Oder Bayan, deren Leben ein Spießrutenlauf ist um die vielen Dinge, die als inakzeptabel gelten: Dass Malek sie im Auto mitnimmt, nachdem sie auf der Straße belästigt wurde, wird sich noch als Problem erweisen. Kritik am konservativen System lässt sich leicht ablesen von den zehn- bis 15-minütigen Folgen, doch genauso präsentiert sich die Serie als Plädoyer für Güte und Nachsichtigkeit: Wir alle haben unsere Schwierigkeiten, lautet die Botschaft.

Wrong Kind of Black

Als Aborigine in Australien
Zu sehen auf Netflix

Cops oder Crocs? Als er sich entscheiden muss, Polizisten in die Arme zu laufen oder sich zwischen Krokodilen zu verstecken, wählt der junge Boori letzteres. Als Erwachsener weiß er sich gekonnt durch brenzlige Situationen zu manövrieren: Der Aborigines-Autor Boori Monty Pryor erzählt in viertelstündigen Folgen vom Aufwachsen in Australien und einem Leben zwischen systemischem Rassismus und 70ies-Vibe.

Awkward Black Girl

Lauter peinliche Momente
Zu sehen auf Youtube

Issa Rae wird als Hauptdarstellerin und Macherin der HBO-Serie „Insecure“ gefeiert. Bekannt wurde sie 2011 mit einer Webserie, deren ungelenker Gestus Programm ist: Sie betont peinliche Alltagsmomente – und Aspekte der schwarzen Lebenserfahrung, die erst Jahre später auch im Mainstream-TV sichtbar geworden sind.

Loulou

Eine Schwangerschaftskomödie
Zu sehen in der Arte-Mediathek

Ein runder Bauch, ein strahlender Teint: In der idealisierten Lifestyle-Fantasie geht eine Schwangerschaft einher mit allseitiger Verzückung und grenzenloser Glückseligkeit. Wie viel man sich dabei vormachen kann, zeigt die von Hauptdarstellerin Louise Massin ersonnene Serie über die unglaublich verpeilte 29-jährige Loulou, die ungeplant (aber nicht unglücklich) schwanger ist. Und, begleitet von ihrem Freund und drei Mitbewohnern, durch allerlei Erfahrungen tapst: Mit skurrilem Humor wird in jeder Fünf-Minuten-Folge eine Begleiterscheinung – von Vaterschaftsberechnungen bis zum absurden Babybauch-Fotoshooting – abgehandelt. Witzig!

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