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Unterwegs

Schlechte Luft in Brüssel

Die Stadt Brüssel versucht, die Fehler jahrzehntelanger Verkehrspolitik zu korrigieren.

Es stinkt in Brüssel. Gut, nicht überall, aber es gibt Straßen, an denen schneiden dir die Abgase stilettscharf ins Beuschel. Besonders ungesund ist die Luft an mehreren Knotenpunkten der Petite Ceinture, also der inneren von zwei Ringstraßen, die – wie jene in Wien – ungefähr entlang der im 19. Jahrhundert geschleiften Stadtmauern verläuft. Die Kreuzung der Avenue des Arts und der Rue de la Loi, unweit des EU-Viertels, ist besonders schlimm: Dort habe ich, wenn ich hastig über den Zebrastreifen husche, bisweilen das Gefühl, die Luft mit Messern schneiden zu können. An allen 134 Messstellen, an denen das Umweltamt die Stickstoffoxid-Belastung erhebt, wird der Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter, den die Weltgesundheitsorganisation für angebracht hält, überschritten.

61 Prozent dieser Schadstoffbelastung kommen vom Autoverkehr, vor allem von Dieselmotoren. Neben der enormen Staubelastung ist das der Hauptgrund, wieso die Stadt und viele ihrer 19 Gemeinden in jüngerer Vergangenheit begonnen haben, den Autoverkehr zurückzudrängen oder durch die Neuplanung von Einbahnstraßen zumindest den Pendlerverkehr aus besonders dicht besiedelten Wohngebieten fernzuhalten. Das wird durchaus schlau und unter enger Einbindung der Anrainer geplant, doch es zeigt sich, dass gerade beim Autoverkehr das Verursacherprinzip kaum greift: Nur 41 Prozent der Brüsseler haben ein Auto, viel weniger als Flamen und Wallonen. Solange Firmenautos steuerlich begünstigt werden, wird sich die Autobelastung Brüssels kaum reduzieren lassen.

E-Mail: aussenpolitik@diepresse.com


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Timo Völker

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2022)