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Mein Montag

Sich dafür schämen, dass man Skifahren geht

Gruß vom Berg
Gruß vom Berg(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Auf Skiurlaub fahren, aber das Wort nicht in den Mund nehmen – der neue Trend der Skischam.

Man kennt das ja, dass man manche Wörter nicht aussprechen will. Da sagt man dann eben der Sprechstundenhilfe, dass man gern „etwas anschauen lassen“ möchte, um nicht Hämorrhoiden flüstern zu müssen, was dann ja trotzdem jeder im Wartezimmer hören würde. Vor allem im Intimbereich werden dann eben kindliche Formulierungen verwendet, vielleicht wird sogar noch gekichert dabei. Das passende Wort, das Sie dafür suchen, ist Scham. Das gibt es schon ziemlich lang, hervorgegangen aus dem germanischen *skamo, das für Schande oder Beschämung stand. Interessanterweise entwickelte sich im deutschsprachigen Raum auch eine verhüllende Bezeichnung für die Geschlechtsteile daraus. Was dann in Redewendungen wie „bedecke deine Scham“ und in Zusammensetzungen wie Schamhaare und dergleichen alltäglich wurde.

Nur ja nicht zu viel darüber reden, scheint die Devise zu sein. Aber zurück zur Scham. Die hat zuletzt im Zug der Klimakrise auch zu Neologismen wie Flugscham geführt. Dass man also Schamgefühl empfindet, weil man weiß, dass eine Reise mit dem Flieger aus Klimasicht nicht so toll ist. Und zuletzt scheint sich auch so etwas wie Skischam auszubreiten – wegen des Klimas, wegen Schneekanonen und weißer Schneebänder in sonst grünbrauner Landschaft? Oder wegen des Après-Ski, das dank Covid übel beleumundet ist? Warum auch immer, manche scheinen derzeit krampfhaft nicht direkt sagen zu wollen, dass sie gerade auf Skiurlaub sind. Woran man das merkt? An Formeln in Mails oder per WhatsApp, dass man etwa gerade „in den Bergen“ ist oder einer Verabschiedung à la „Gruß vom Berg“. Natürlich weiß man sofort, was gemeint ist. Aber es ist eben ein bisschen verklausuliert. Gut, soll so sein, vielleicht auch noch ein bisschen verlegen kichern dabei. Kein Problem – und liebe Grüße auf den Berg!

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2022)