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Microchips

16 von 23 Affen tot: Mediziner werfen Elon Musk und Neuralink Tierquälerei vor

Laut Elon Musk gibt es keine Zusammenarbeit mit der UC Davis. Die lediglich von der Universität zur Verfügung gestellten Makaken würden bei Neuralink sehr gut behandelt.APA/AFP/JIM WATSON
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Eigentlich sollten noch heuer die ersten Versuche des Neuralink-Chips am menschlichen Gehirn erprobt werden. Doch das könnte sich massiv verzögern. Gegen Neuralink und die UC Davis wurde Klage eingereicht.

Ein Schwein namens Gertrud und ein Affe namens Pager. Das sind die Aushängeschilder, die Elon Musk für seine Firma Neuralink in der Öffentlichkeit präsentiert. Das Ziel: Mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Mikrochips sollen schwere Erkrankungen des Gehirns behandeln. Gehörlose sollen mit Hilfe von Neuralink wieder hören können und Menschen mit schweren Rückenmarksverletzungen wieder laufen können. Für die Meilensteine in der Entwicklung zeigte man Gertrud auf dem Laufband oder Pager mit einem Joystick Pong spielend. Der nächste Schritt: die Erprobung des Chips am Menschen. Dafür wird bereits ein Studienleiter gesucht. Noch in diesem Jahr sollte es losgehen. Doch wie sich nun herausstellt: Von den 23 Makaken sind nur noch sieben am Leben.

Was ist Neuralink? Im Juli 2016 von Musk gegründet, hat man sich wie auch schon bei SpaceX noblen Zielen verschrieben: Ein implantierter Chip soll schwere Erkrankungen des Gehirns besser behandeln können, oder die mentalen Fähigkeiten verbessern. Direkt im Gehirn soll eine Schnittstelle zum Computer geschaffen werden. Langfristig will Musk aber noch viel weiter gehen und die technische Erweiterung des menschlichen Körpers erforschen, "um potenziell gefährliche Verwendungen von Künstlicher Intelligenz bekämpfen zu können“.

Nach einigen wenigen medienwirksamen Präsentationen kündigte Musk an, noch in diesem Jahr die Versuchsreihe mit Menschen starten zu wollen. Wer sich meldet, bekomme „eine Möglichkeit, die Welt zu verändern“, preist er seinen möglichen Durchbruch im Biohacking an. Überdies müssen die Probandinnen und Probanden sich „der Mission verschreiben“ dazu bereit sein, „zu ihren Grenzen und darüber hinaus zu gehen“.

Weit darüber hinaus mussten 16 Affen gehen, die die Neuralink-Versuchsreihen offenbar nicht überlebten. Ein schwerer Vorwurf, den die Tierschutzorganisation "Ärzte für eine verantwortungsbewusste Medizin" (PCRM) gegen Elon Musks Unternehmen erhebt. Eine Beschwerde wegen Verstößen gegen das Bundestierschutzgesetz beim Landwirtschaftsministerium (US Department of Agriculture) wurde gegen die UC Davis eingebracht. Zudem klagt die Organisation auf die Herausgabe von Videos und Fotos, die im Zusammenhang mit den Versuchen entstanden.

Wieso wird eine Universität geklagt? Die UC Davis erhielt der PCRM zufolge, mehr als 1,4 Millionen Dollar von Neuralink um Experimente durchzuführen. Elon Musk sagte dazu gegenüber "Daily Beast": "Wir führen keine Forschungsarbeiten an der UC Davis durch - das ist eine fast ausschließlich staatlich finanzierte Einrichtung. Sie stellen uns eine kleine Anzahl von Makakenaffen zur Verfügung, und wir kümmern uns sehr gut um sie." Diese Aussage steht im Kontrast zu den Aussagen der Universität. Denn bei dem Streit um die Herausgabe des Bild- und Videomaterials argumentiert diese, dass die Arbeiten für Neuralink für ein privates Unternehmen durchgeführt worden seien, weswegen man nicht verpflichtet sei, Ergebnisse zu veröffentlichen.

Worauf stützen sich die Vorwürfe?

Es ist nicht die erste Klage gegen Neuralink, die PCRM eingereicht hat. 2021 forderte die Organisation Aufzeichnungen über die Versuche. Mit Erfolg, mehr als 600 Seiten "beunruhigender Dokumente" habe das PCRM erhalten. Daraus gehe hervor, dass die Affen mehrfach operativen Eingriffen am Gehirn unterzogen wurden, eine nicht zugelassene Substanz namens "Bioglue" zum Einsatz kam, wodurch Teile des Gehirns zerstört wurden, woran sie schließlich verendeten. "Makaken, die in dem Experiment verwendet wurden, waren allein in Käfigen, hatten Stahlpfosten an ihren Schädel geschraubt, erlitten ein Gesichtstrauma", Krampfanfälle nach Gehirnimplantaten und wiederkehrende Infektionen an den Implantationsstellen. In einigen Fällen sollen Tiere eingeschläfert worden sein, da sich bereits vor den Versuchen ihr Gesundheitszustand dramatisch verschlechterte.

„Die Dokumente enthüllen, dass das Gehirn von Affen in schäbigen Experimenten verstümmelt wurde und sie leiden und sterben mussten. Es ist kein Geheimnis, warum Elon Musk und die Universität Fotos und Videos dieses schrecklichen Missbrauchs vor der Öffentlichkeit geheim halten wollen", sagt Jeremy Beckham, Miglied des Ärzteausschusses.

"Unseriöser Hype"

Expertinnen und Experten stehen Musks Vision von einem „optimierten“ Menschen durchaus skeptisch gegenüber. Die Biochemikerin Gabriele Werner-Felmayer ist unter anderem Mitglied der Bioethik-Kommission in Österreich und sprach gegenüber der „Wiener Zeitung“ von einem „Markt von Hoffnung und Versprechen“, dessen sich Musk bedienen würde. Der Direktor der Abteilung Experimentelle Neurologie der Charité Berlin, Ulrich Dirnagl, ging 2019 gegenüber "Heise" sogar so weit, die Bestrebungen Musks als "unseriösen Hype" zu bezeichnen.

Vorerst werden wohl Tests an Menschen ausgesetzt, was weniger an zu erwartenden finanziellen Einbußen liegen dürfte. Sollte die Klage der Ärzteorganisation erfolgreich sein, dürfte die Strafe laut "Daily Beast" nicht über 10.000 Dollar hinausgehen. "Solche Strafen verbuchen diese Unternehmen als Forschungsgebühr", sagt Beckham von der PRCM.