Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Zwischentöne

Wie Beethovens Trommler Karriere machen konnten

Das Konzerthaus.
Das Konzerthaus.© Rupert Steiner
  • Drucken

Zumindest Kammermusikfreunde, die Raritäten für sich entdecken möchten, kommen im Wiener Konzertleben auf ihre Rechnung.

Während sich das Repertoire unserer Orchesterkonzerte dank der ewig gleichen Reiseprogramme der internationalen Orchesterszene immer weiter zu reduzieren scheint, dürfen Freunde der Kammermusik auf Entdeckungsreise gehen. In Wien pflegt etwa das Quatuor Mosaïques im Rahmen seines Zyklus im Konzerthaus die Raritäten.

Dabei lauscht man diesen vier Musikern auch dann gespannt, wenn sie Musik der Wiener Klassik aufführen. Die Mixtur aus profunder Kenntnis historischer Aufführungspraxis, analytischer Durchdringung der Partituren und unverschleiert bewahrter wienerischer Spieltradition besticht. Sie kommt naturgemäß auch dem Engagement für selten gespielte Kompositionen zugute, die mit derselben Hingabe einstudiert werden wie die Stücke der Großmeister.

Am kommenden Sonntag (18.30 Uhr) widmet sich das Quatuor Mosaïques nebst Joseph Haydns spätem Quartett in Es-Dur (op. 76/6) zwei Stücken jüdischer Komponisten, die – jeder auf seine Weise – Musikgeschichte geschrieben haben, ohne dass ihre Musik im Gedächtnis der Nachwelt haften geblieben wäre.

Am Beginn des Abends erklingt ein Streichquartett aus der Feder von Ferdinand David. Wenn der Name dieses Komponisten fällt, horchen in der Regel nur Posaunisten auf. Sie sind im Rahmen ihrer Ausbildung alle dazu angehalten, Davids „Concertino“ zu lernen, das zum Probespiel-Standard wurde. In diesem Genre gibt es ja bedeutend weniger Auswahl als bei Streichquartetten. Aber abgesehen davon ist Davids Stück ein originelles Beispiel deutscher Frühromantik, könnte neben Webers Klarinetten- oder Mendelssohns Klavierkonzerten bestehen. Wenn man es nur spielte.

Apropos: Seine Zeitgenossen schätzten David als virtuosen Geiger. Mendelssohn machte ihn nicht nur zum Konzertmeister des Leipziger Gewandhaus-Orchesters, sondern schrieb für ihn vor allem den Solopart seines Violinkonzerts – womit David zum Paten eines der bedeutendsten Instrumentalkonzerte wurde.

Der Quartettabend schließt mit dem Streichquartett in d-Moll von Ignaz Moscheles, der als Ahnvater einer ganzen Pianistenschule gelten darf. Seine technischen Anmerkungen zu Klavierspiel haben sogar ihren Niederschlag bei Frédéric Chopin gefunden. Eine der Etüden, die Chopin „pour la Méthode des Méthodes de Moscheles“ komponiert hat, erklingt übrigens am 8. März im Schubertsaal des Konzerthauses, im Programm von Fujiko Hemming. Moscheles' Erkenntnisse wirken in der Klavierpädagogik bis in unsere Tage weiter, wenn auch seine wichtigsten „Vorschriften“ immer seltener beherzigt werden.

Lehrte er doch die disziplinierte, ruhige Körperhaltung des Pianisten auch im virtuosen Furor und verlangte, der Klang möge ausschließlich durch die Finger, nicht durch Armbewegungen hervorgebracht werden. Und jedenfalls sei das Pedal so sparsam wie möglich zu betätigen. In seinen eigenen Worten: „Zu was haben die Leute denn Hände? Es ist, wie wenn ein guter Reiter ausschließlich die Sporen gebräuchte!“
Anno 1813 war Moscheles übrigens einer der „Kanoniere“ an der großen Trommel bei der Wiener Uraufführung von Beethovens Schlachtengemälde „Wellingtons Sieg“ – Seite an Seite mit Giacomo Meyerbeer . . .