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Prozess

„Kein Geld für Ibiza-Video erwartet“: Wieder kein Urteil für „Ibiza-Detektiv“

Der Produzent des Ibiza-Videos musste sich am Mittwoch erneut in St. Pölten vor Gericht verantworten.
Der Produzent des Ibiza-Videos musste sich am Mittwoch erneut in St. Pölten vor Gericht verantworten.APA/Roland Schlager
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Eigentlich dreht sich der Prozess gegen den Ibiza-Video-Macher Julian Hessenthaler um Drogen. Dennoch stand am Mittwoch das Video im Mittelpunkt. Urteil gab es wieder keines.

Noch immer kein Urteil. Noch immer muss der Prozess weitergehen. Schuld seien serbische Behörden. Sagt der Richter (dieser will übrigens nicht, dass sein Name genannt wird). Und er sagt: Auf sein Ersuchen um länderübergreifende Rechtshilfe habe er merkwürdige Antworten bekommen. Es sei nichts weitergegangen. Daher stehe die per Videokonferenz geplante Befragung einer serbischen Zeugin noch aus. Fazit: Der Angeklagte, Julian Hessenthaler, muss weiter warten.

Bis Mitte oder Ende März. Und damit bleibt wohl auch die U-Haft für den 41-Jährigen aufrecht. Seit Dezember 2020, nach einer Festnahme in Berlin (dorthin hatte sich Hessenthaler abgesetzt) befindet sich der Produzent des Ibiza-Videos bereits hinter Gittern. Allerdings nicht wegen Vorwürfen rund um das Video, welches 2019 erst FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und dann die Regierungskoalition zu Fall brachte. Sondern wegen des Vorwurfs, er habe 2017 und 2018 mindestens 1,25 Kilogramm Kokain weitergegeben.

Hessenthaler bestreitet das. Spricht von vorgeschobenen Anschuldigungen, um ihn, den Aufdecker, mundtot zu machen. Tatsächlich hatten Mitglieder einer polizeilichen Sonderkommission mit weitreichendem Instrumentarium die Ermittlung gegen Hessenthaler vorangetrieben. Allerdings wirkt auch die Darstellung, der sogenannte „Ibiza-Detektiv“ sei lediglich ein ungerecht behandelter Whistleblower, nicht ganz überzeugend. Schließlich war versucht worden das Ibiza-Video zu Geld zu machen. Nicht von ihm persönlich, sagt Hessenthaler. Aber ja, er habe davon gehört. Das sagt er auch am Mittwoch beim Prozess, obgleich sich dieser doch gar nicht um „Ibiza“, sondern um Drogen-Vorwürfe dreht.

Die „getrübte Finanzlage“

Wie sich die Geschichte, die auf der Balearen-Insel ihren Ausgang nahm, nun doch in das Kokain-Verfahren verirrte, ist schnell erklärt: Das Oberlandesgericht (OLG) Wien sah zuletzt Flucht- und Wiederholungsgefahr. Und sorgte daher für die Verlängerung der U-Haft. Als einen der Gründe der Wiederholungsgefahr (Tatbegehungsgefahr) gab das OLG in der für ihn typischen Prosa an: „Aus dem Akteninhalt erhellt nämlich insgesamt eine seit Jahren getrübte Finanzlage des Julian Hessenthaler.“ Und weil dem so sei, müsse befürchtet werden, der Angeklagte „werde seine kriminellen Machenschaften rund um Kokain wieder aufnehmen.“

Hier hakte am Mittwoch der Richter des Landesgerichts St. Pölten ein. Er erinnerte Hessenthaler an einen Schriftverkehr, in dem dieser sinngemäß schrieb, er sei imstande ein Privatdarlehen von 70.000 Euro zurückzuzahlen, da er ja vom „Spiegel“, also dem deutschen Medium, Geld erwarte. Geld wofür? Für die Überlassung des Ibiza-Videos? Keineswegs, winkte der 41-Jährige nun ab. Er wolle zwar zu dem Schriftverkehr nichts sagen, weil dieser in einem derzeit anhängigen, in Deutschland geführten Zivilprozess eine Rolle spiele. Aber soviel könne er bestätigen: „Wir haben vom ,Spiegel‘ weder Geld erwartet, noch bekommen.“ Tatsächlich hatten „Spiegel Online“ und die „Süddeutsche“ Teile des Videos veröffentlicht. Und ihrerseits betont, nichts für das Video bezahlt zu haben.

„Diese roten Idioten"

Auch ein interessantes Hessenthaler-Mail vom November 2017 an seine Mutter wurde nun besprochen. Im Rahmen der (offenbar erfolglosen) Suche nach Käufern des Videos waren, wie man mittlerweile weiß, mehrere Stellen, auch Vertreter politischer Parteien, einbezogen worden. So heißt es in dem Mail: „Ich will sterben. Diese roten Idioten kommen bezüglich Geld nicht weiter.“ Hoffte er auf Geld von der SPÖ? Hessenthaler allgemein: „Privater Profit“ sei damals keine Motivation dafür gewesen das Video unter die Leute zu bringen. Er habe das Ganze damals als „Himmelfahrtskommando“ gesehen. Und: „Ich lebte in Angst, hatte schlaflose Nächte.“

Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.