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Debütroman „Warten Leben Sterben“: In den Straßen von Berlin

(c) Silke Weinsheimer
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Die Drehbuchautorin Inken Witt legt mit „Warten Leben Sterben“ einen gelungenen Roman vor, durch den ein Hauch Raymond Chandler weht.

Isadora Winter (35) hat einen auffälligen Vornamen. Auffallen will die Berliner Privatdetektivin allerdings um keinen Preis, sie bevorzugt eine distanzierte, abwartende Haltung im Halbschatten des Lebens. Das bekommen alle zu spüren, die mit Isa zu tun haben: ihr 15-jähriger Sohn Karl, ihre Mitbewohnerin Tina, ihr Liebhaber Sebastian und ihre Klienten. Der einzige, der mit dieser Haltung umgehen kann, ist Isas väterlicher Freund, der russischstämmige Taxifahrer Eugen.

All das ändert sich, als Katharina Schneider Isa beauftragt, ihren Mann zu observieren. Die Privatdetektivin ist fasziniert von Katharinas Strahlkraft und ihrer Fähigkeit, sich bedingungslos auf Menschen einzulassen. Daher bricht sie ihr ehernes Berufsgesetz: Sie mischt sich ein. Wenige Tage später ist Katharina tot und Isas private Schutzzone durchlöchert. Obwohl alles auf Selbstmord hindeutet, kann Isa den Fall nicht ruhen lassen und setzt alles aufs Spiel.

Die Drehbuchautorin Inken Witt hatte die Figur der Isa Winter ursprünglich für eine Fernsehserie entworfen, sich dann aber entschlossen, ihrer ungewöhnlichen Heldin mehr Raum zu geben. So wurde aus „Warten Leben Sterben“ ein gelungener Debütroman, durch den ein Hauch von Raymond Chandler weht. Isa erinnert in ihrer Abgeklärtheit an berühmte Privatdetektive wie Philip Marlowe: „Ich bin wirklich gut in meinem Job, denn ich kann warten. Und mein Job besteht nun mal zu achtzig Prozent aus Warten, zu fünfzehn Prozent aus Bürokram, zu vier Prozent daraus, Menschen dabei zu beobachten, wie sie sich selbst und andere belügen, und zu einem Prozent daraus, meinen Klienten viel Geld dafür abzunehmen, dass ihnen das Herz gebrochen wird.“ Wie bei Raymond Chandler bleibt von dieser Distanz am Schluss nicht viel übrig, über kurz oder lang wird’s persönlich. 

Inken Witt: „Warten Leben Sterben“, Piper-Verlag, 331 Seiten,15,50 Euro