Wien ist anders, auch in der Pandemie. Erstaunlicherweise haben sich die Rollen der Großstadt und der Bundesländer umgedreht, wie Gesundheitsstadtrat Peter Hacker bei Martin Thür bewies.
Wann ist etwas eine Tradition? Oder eher: Ab wann ist etwas eine Tradition, hat der Begriff doch eine zeitliche Komponente. Braucht es dafür Generationen? Muss eine bestimmte Anzahl an Wiederholungen erfüllt sein? Ab wie vielen Jahren kann man von einer Tradition sprechen? Für Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) sind zwei Jahre ausreichend. Zugegeben, Pandemiejahre fühlen sich deutlich länger an. „Wir können nicht erkennen, wieso man da jetzt potzblitz alle bisher gut entwickelten Traditionen über Bord schmeißt und riskiert, dass wir noch eine Welle haben“, sagte er in der „ZiB 2“ bei Martin Thür und meinte damit: die Masken. Inzwischen gehören sie zur Normalität, ist das Aufsetzen Automatismus geworden. Das soll wieder anders werden, denn ab 5. März fällt die Maskenpflicht in vielen Bereichen. Nicht so in Wien, wo in geschlossenen Räumen weiterhin Maskenpflicht herrschen wird.
Auch das hat – sofern man das sagen kann – Tradition in der Coronapandemie: In Wien gelten – seit Hacker Schweden nicht mehr als mögliches Vorbild sieht – strengere Maßnahmen als im Rest Österreichs. Hier haben sich erstaunlicherweise die Rollen der Bundesländer umgedreht: Üblicherweise herrschen in der Großstadt lockerere Sitten (moralisch gilt das wohl immer noch), nun nimmt man es am Land weniger genau. Hacker betonte in der „ZiB 2“ gleich zwei Mal: „Wir wollen nicht die Spaßverderber sein.“ Auf diesen Satzanfang muss konsequenterweise ein „aber“ folgen, mit einer Begründung, warum man den Spaß nicht mitmacht. Der Gesundheitsstadtrat wählte ein drastisches Bild: „Wir sollten aus dem Auto aussteigen, wenn es steht und nicht, wenn wir mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs sind.“ Die Regierung dürfte den Tachostand anders interpretieren.