Einst der größte Reisexporteur der Welt, ist das Land inzwischen komplett verarmt. Seit 1962 regiert eine Militärdiktatur.
In Burma hat das Militärregime kurz nach Abhaltung von Scheinwahlen die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Symbolfigur der Demokratiebewegung, Aung San Suu Kyi, aus jahrelangem Hausarrest entlassen. Das rohstoffreiche südostasiatische Land, das nach dem Willen der Machthaber "Myanmar" genannt werden muss, ist unter der Diktatur völlig verelendet, nachdem es einstmals größter Reisexporteur der Welt war. 2008 wurde es von einer verheerenden Wirbelsturmkatastrophe mit mehr als hunderttausend Toten und Millionen Obdachlosen heimgesucht. Ein kurzer historischer Abriss:
11. Jahrhundert: Die aus dem tibetischen Raum eingewanderten Burmesen gründen unter König Anoratha im fruchtbaren Irrawaddy-Delta ein mächtiges Reich mit der Hauptstadt Pagan, das im 13. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Entfaltung erlebt. 1287 wird es von den Mongolen zerschlagen. Nach mehreren Jahrhunderten der Wirren richtet König Alaungpaya 1752 das Reich wieder auf.
1824: Beginn der britischen Eroberung.
1886: Der letzte burmesische König, Thibaw, wird mit seiner Familie von den Briten nach Indien deportiert. Burma wird an Britisch-Indien angeschlossen. Vernichtungsfeldzüge gegen aufständische Bevölkerungsteile.
1937: Beginn der Kampagne des zivilen Ungehorsams gegen die Kolonialmacht.
1942/43: Burma kommt unter japanische Herrschaft und wird nominell unabhängig.
1945: Die burmesische Befreiungsarmee unter der Führung von General Aung San, Chef der "Anti-Fascist People's Freedom League" (AFPFL), verbündet sich im Kampf gegen die Japaner mit den Alliierten. Nach Kriegsende erobern britische Truppen Burma zurück.
1947: Aung San wird Ministerpräsident und stirbt mit fast seinem gesamten Kabinett bei einem Terroranschlag. Die AFPFL einigt sich in Verhandlungen mit der britischen Labour-Regierung auf die Unabhängigkeit ohne Zugehörigkeit zum Commonwealth.
4. Jänner 1948: Unabhängigkeitserklärung der Burmesischen Union unter Ministerpräsident U Nu, der außenpolitisch einen blockfreien Kurs steuert. Ethnische Minderheiten (Karen, Kachin, Shan u.a.) streben die Bildung eigener Staaten an und lehnen sich mit separatistischen Milizen gegen die Zentralregierung in Rangun auf. Der Buddhismus wird zur Staatsreligion erklärt, wodurch die zentrifugalen Tendenzen Auftrieb erhalten.
1962: Militärputsch von General Ne Win, der einen "burmesischen Weg zum Sozialismus" mit einem autarken Wirtschaftssystem entwirft. Die Verstaatlichungspolitik des Regimes hat Misswirtschaft und Verelendung des Landes zur Folge.
1974: Autoritäre Verfassung mit Einheitspartei ("Sozialistische Programm-Partei").
1981: Ne Win tritt nominell als Staatsoberhaupt zurück, bleibt aber als Parteichef der eigentliche Machthaber.
1987/88: Regimefeindliche Demonstrationen. Ne Win tritt ab, Wiederzulassung privater Unternehmen, neuerlicher Militärputsch unter General Saw Maung. Die Armee zerschlägt die Demokratiebewegung, Tausende sterben oder werden verschleppt.
1989: Die Militärjunta dekretiert die Staatsbezeichnung "Myanmar" auch in Fremdsprachen. Aung San Suu Kyi, Tochter von Aung San, tritt an die Spitze der neugegründeten Nationalen Liga für Demokratie (NLD) und wird von den Machthabern unter Hausarrest gestellt.
1990: Die Junta lässt Wahlen zu einer konstituierenden Nationalversammlung abhalten: Erdrutschsieg der NLD, das Militär verweigert die Machtübergabe und verschärft die Repression.
1991: Aung San Suu Kyi erhält den Friedensnobelpreis, den ihre Söhne für sie in Oslo entgegennehmen.
1992: General Than Shwe löst General Saw Maung als Juntachef ab. Die Armee intensiviert ihre Feldzüge gegen Minderheitenvölker (300.000 muslimische Rohingya flüchten nach Bangladesch, 100.000 Karen nach Thailand).
1995: NLD zieht sich aus einem von der Junta gebildeten "Verfassungskonvent" zurück.
1997: Ungeachtet heftiger westlicher Proteste wird Burma als Vollmitglied in die Südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) aufgenommen.
2003: Der langjährige Geheimdienstchef General Khin Nyunt wird Premier und kündigt einen siebenstufigen "Demokratie-Fahrplan" und Liberalisierungsmaßnahmen an.
2004: Khin Nyunt wird von den "Hardlinern" unter Vize-Juntachef General Maung Aye gestürzt und inhaftiert. Maung Aye gilt als enger Vertrauensmann Pekings. Neuer "Verfassungskonvent" ohne Teilnahme oppositioneller Vertreter.
2006: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gibt bekannt, dass das burmesische Militärregime sämtliche Besuche von Gefangenen untersagt. US-Resolutionsentwurf gegen burmesische Junta scheitert im UNO-Sicherheitsrat am Veto Russlands und Chinas.
2007: Die Junta verlegt den Regierungssitz in die neu errichtete Hauptstadt Naypyidaw im Zentrum des Landes, 400 Kilometer nördlich von Rangun. Drastische Erhöhungen der Treibstoffpreise führen zu wochenlangen Protesten, denen sich auch die buddhistische Geistlichkeit anschließt. Die Proteste werden vom Regime im September rücksichtslos niedergeschlagen. Im Weltsicherheitsrat verhindert China jegliche Verurteilung des Vorgehens der Junta.
2008: Die Junta weigert sich zunächst, Hilfe für die Opfer des verheerenden Wirbelsturms "Nargis" hereinzulassen. Sie legt einen Verfassungsentwurf vor, der die Macht des Militärs absichern soll. Über den Text wird ungeachtet der Zyklon-Katastrophe ein Plebiszit abgehalten. Suu Kyis Hausarrest wird von den Machthabern verlängert.
2009: Neuerlicher Prozess gegen Suu Kyi wegen Verstoßes gegen Hausarrest-Auflagen in Zusammenhang mit dem rätselhaften Besuch des US-Bürgers John Yettwa auf ihrem Anwesen.
2010: Militärmachthaber inszenieren Parlamentswahlen mit Regime-Partei "Union für Solidarität und Entwicklung" (USDP), Premier Thein Sein Spitzenkandidat. Ende von Suu Kyis Hausarrest.
(Ag.)