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Corona und der Literaturbetrieb

"Ich schreibe keine vollimmunisierten Texte": Autor kritisiert Bachmannpreis-Organisatoren

40. Tage der deutschsprachigen Literatur
Österreichs Literaturszene "schmore" abseits der Wirklichkeit vieler Menschen vor sich hin, kritisiert der Wiener Autor Jan David Zimmermann.(c) ORF (Puch Johannes)
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Der österreichische Autor Jan David Zimmermann erklärt in einem Offenen Brief, warum er heuer nicht am Wettlesen in Klagenfurt teilnehmen wird. Und wirft Österreichs Literaturszene vor, die „massive sprachliche Eskalation" gegenüber Ungeimpften mitgetragen zu haben.

„Um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, können nur Vollimmunisierte mit aktuellem Test daran teilnehmen": So steht es in der im Dezember veröffentlichten Ausschreibung für das im Juni stattfindende Wettlesen in Klagenfurt. Den Wiener Autor Jan David Zimmermann hat dies nun zu einem Offenen Brief an die Organisatoren des Bachmannpreises bewegt. Darin kritisiert er nicht nur die Teilnahmebedingungen, sondern wirft der Literaturszene auch vor, die „massive sprachliche Eskalation“ gegenüber Ungeimpften mitgetragen und zum Teil sogar „vorangetrieben“ zu haben.

„Ich bin 1. kein reibungsloser Autor und produziere 2. grundsätzlich keine vollimmunisierten Texte“, schreibt der 1988 geborene Wiener, der als Autor und Wissenschaftsforscher tätig ist. Literatur müsse „gesellschaftliche Regeln, Normalität und Etabliertes hinterfragen“, schreibt er. Außerdem müsse sie „einschreiten und darauf aufmerksam machen, wenn die Sprache der Öffentlichkeit zu einer Sprache des Autoritären, zu einer Sprache der Ausgrenzung“ werde. Das sei nicht passiert. Stattdessen sei „ein primitives und verkürztes Sündenbock-Denken, -Sprechen und -Schreiben ungebremst von schweigenden Intellektuellen und sich einigelnden Schreibenden zugelassen oder gar vorangetrieben“ worden.

Zimmermann wirft Österreichs Kulturszene vor, im Einsatz gegen Hassrede und im Bemühen um sprachliche Sensibilisierung mit zweierlei Maß zu messen: „Wenn die Diffamierungen von der ,richtigen' Seite kommen, so findet man die sprachlichen Entgleisungen legitim.“ Er habe heuer einen Text einreichen wollen, werde das nun nicht tun und wohl auch in Zukunft nicht.

(sim)